Deutschland und Europa

Johannes Hertrampf – 28.03.2017

 

Die deutsche Politik verteidigt Zustände, die nicht mehr existieren – die Vorherrschaft des Westens in der Welt. Mit Propaganda und Billiggeld aus der EZB schiebt sie den Kollaps der EU hinaus. Sie organisiert Flüchtlingsströme nach Europa mit Schwerpunkt Deutschland. Sie erklärt sich zum Wortführer Europas. Dennoch findet sie keine internationale Anerkennung. Europa zieht sich von Deutschland zurück. Die Isolation, in der die deutsche Politik steckt, bezeugt, dass sie eben nicht Europa inspiriert. Europa will nicht von Deutschland geführt werden. Und die Völker der Welt sehen in Europa kein nachahmenswertes Vorbild. Die Welt des Zwanzigsten Jahrhunderts gehört der Geschichte an. Das Ringen um nationale Befreiung findet im Einundzwanzigsten Jahrhundert seine Fortsetzung und wird noch stärker die Welt verändern, insofern die Völker infolge des intensiven Informationsaustausches die geistigen Voraussetzungen für ihre Befreiung erweitern und vertiefen.
Als der Kommunismus zusammenbrach, hielt sich der Westen für den Sieger der Geschichte, der nun freie Hand hatte. Er ging daran, Europa so umzugestalten, damit nie wieder das eigene Bild zur Disposition stehen  würde. Unter Patronage der USA sollte Europa zu einem Kontinent werden, der endgültig die Überlegenheit der westlichen Welt beweist und als Ordnungsmacht agiert. Dazu galt es, Europa zu vereinheitlichen, man nannte das die Integration Europas – politisch, wirtschaftlich, finanziell, kulturell, militärisch. Europa sollte mit einer Stimme und künftig auch in einer Sprache sprechen. Fortschritt der Integration bedeutete somit Verschwinden der nationalstaatlichen Vielfalt. Der Nationalstaat sei zu klein, um globale Probleme zu überwinden, behaupten die Politiker, ohne die internationale Kooperation auch nur zu erwähnen. Und der Nationalstaat erzeuge Konfliktstoff, aus dem sich Kriege entwickeln, wobei sie vor allem auf die beiden Weltkriege verweisen. Der Nationalstaat gefährde das friedliche Zusammenleben der Völker. Das treffe ganz besonders für den deutschen Nationalstaat zu, denn die Deutschen trügen ein abartiges Gen in sich. Hinter dieser Fassade stehen nicht nur grüne und linke Ideologen, sondern auch die Vertreter der offiziellen Politik. Kurzum, der Nationalstaat ist nach ihrer übereinstimmenden Meinung ein Hindernis der  Globalisierung, was allerdings richtig ist, denn diese „Eine Welt“ muss verhindert werden.
Das Bestreben, die nationale Vielstaatlichkeit Europas zu beseitigen, ist ein Hauptanliegen der EU. Den Völkern Europas werden unentwegt die Vorteile der EU angepriesen – Frieden, Wohlstand, Sicherheit Freizügigkeit, Grenzenlosigkeit, wie jüngst anlässlich des 60. Jahrestages des Abschlusses der Römischen Verträge. In den Genuss dieser Vorzüge sollen sie kommen, wenn sie bereit sind, auf ihre nationalstaatliche Selbständigkeit zu verzichten. Da die Abschaffung der nationalstaatlichen Vielfalt nicht auch gleich die Abschaffung der nationalkulturellen Vielfalt ist, wird hier ein Konflikt zwischen europäischer Ein-Staatlichkeit und europäischer kultureller Vielfalt erzeugt. Der Zusammenhang zwischen Staat und Kultur wird gesprengt. Offensichtlich unterschätzen die Vordenker der EU die konstituierende Kraft der Kultur für die nationale Organisation bzw. haben keine Ahnung davon, dass es sie gibt. Sie begründen ihre Auffassung mit dem Hinweis auf den technischen Fortschritt, der die Staaten und Völker immer näher zusammenrückt, in ihren Augen immer mehr nivelliere – und damit objektiv zum Totengräber der national-kulturellen Vielheit Europas wird. An ihre Stelle trete ein offener Kontinent, ohne nationale Struktur und Zuständigkeit, der mit zentralen Weisungen gelenkt wird. Es gibt keinen historischen Beweis dafür, dass der technische Fortschritt zu einer kulturellen Nivellierung führt, im Gegenteil, er steigert die kulturelle Diversität. Und es gibt keinen Beweis dafür, dass der technische Fortschritt in der politischen Diktatur am besten aufgehoben ist.
Die EU ist ein Gebilde der Herrschaftsgesellschaft. Sie ist das Ergebnis eines über hundert Jahre währenden Anspruchs der USA nach Weltherrschaft, und der Unterwerfung Europas mit dieser Absicht. Mit der EU glaubten die Amerikaner, Europa in Griff zu bekommen. Da aber der Nationalstaat als politische Organisation eine grundlegende Voraussetzung für die Entfaltung der Schöpferkräfte der Völker ist, fällt ihnen nun ihr Ziel auf die Füße. Aus den Katastrophen des Zwanzigsten Jahrhunderts sollte Europa – so die Voraussage – wie der Vogel Phönix aus der Asche aufsteigen und ein leuchtendes Symbol für alle Völker werden. Das Gegenteil trat ein, Europa wurde zum Mühlstein am Hals der Amerikaner. Die Völker wenden sich von diesem Europa ab. Das ist die aufsehenerregende Erkenntnis des neuen amerikanischen Präsidenten D. Trump. 


Bei der europäischen Integration gab es einen Gegenspieler – Russland. Das war so zu Sowjetzeiten und blieb auch danach so. Nach einer Phase der Ratlosigkeit infolge des Zusammenbruchs des Sowjetimperiums gelang es den Russen, mit starkem Nationalbewusstsein einen neuen Staat zu schaffen, der die westlichen Begehrlichkeiten dauerhaft in die Schranken wies. Und von da an war Russland in den Augen des Westens ein Feindstaat, der mit seiner modernen Militärmacht den Westen bedrohe. 

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