Deutschland und Europa

Johannes Hertrampf – 28.03.2017

 

Die deutsche Politik verteidigt Zustände, die nicht mehr existieren – die Vorherrschaft des Westens in der Welt. Mit Propaganda und Billiggeld aus der EZB schiebt sie den Kollaps der EU hinaus. Sie organisiert Flüchtlingsströme nach Europa mit Schwerpunkt Deutschland. Sie erklärt sich zum Wortführer Europas. Dennoch findet sie keine internationale Anerkennung. Europa zieht sich von Deutschland zurück. Die Isolation, in der die deutsche Politik steckt, bezeugt, dass sie eben nicht Europa inspiriert. Europa will nicht von Deutschland geführt werden. Und die Völker der Welt sehen in Europa kein nachahmenswertes Vorbild. Die Welt des Zwanzigsten Jahrhunderts gehört der Geschichte an. Das Ringen um nationale Befreiung findet im Einundzwanzigsten Jahrhundert seine Fortsetzung und wird noch stärker die Welt verändern, insofern die Völker infolge des intensiven Informationsaustausches die geistigen Voraussetzungen für ihre Befreiung erweitern und vertiefen.
Als der Kommunismus zusammenbrach, hielt sich der Westen für den Sieger der Geschichte, der nun freie Hand hatte. Er ging daran, Europa so umzugestalten, damit nie wieder das eigene Bild zur Disposition stehen  würde. Unter Patronage der USA sollte Europa zu einem Kontinent werden, der endgültig die Überlegenheit der westlichen Welt beweist und als Ordnungsmacht agiert. Dazu galt es, Europa zu vereinheitlichen, man nannte das die Integration Europas – politisch, wirtschaftlich, finanziell, kulturell, militärisch. Europa sollte mit einer Stimme und künftig auch in einer Sprache sprechen. Fortschritt der Integration bedeutete somit Verschwinden der nationalstaatlichen Vielfalt. Der Nationalstaat sei zu klein, um globale Probleme zu überwinden, behaupten die Politiker, ohne die internationale Kooperation auch nur zu erwähnen. Und der Nationalstaat erzeuge Konfliktstoff, aus dem sich Kriege entwickeln, wobei sie vor allem auf die beiden Weltkriege verweisen. Der Nationalstaat gefährde das friedliche Zusammenleben der Völker. Das treffe ganz besonders für den deutschen Nationalstaat zu, denn die Deutschen trügen ein abartiges Gen in sich. Hinter dieser Fassade stehen nicht nur grüne und linke Ideologen, sondern auch die Vertreter der offiziellen Politik. Kurzum, der Nationalstaat ist nach ihrer übereinstimmenden Meinung ein Hindernis der  Globalisierung, was allerdings richtig ist, denn diese „Eine Welt“ muss verhindert werden.
Das Bestreben, die nationale Vielstaatlichkeit Europas zu beseitigen, ist ein Hauptanliegen der EU. Den Völkern Europas werden unentwegt die Vorteile der EU angepriesen – Frieden, Wohlstand, Sicherheit Freizügigkeit, Grenzenlosigkeit, wie jüngst anlässlich des 60. Jahrestages des Abschlusses der Römischen Verträge. In den Genuss dieser Vorzüge sollen sie kommen, wenn sie bereit sind, auf ihre nationalstaatliche Selbständigkeit zu verzichten. Da die Abschaffung der nationalstaatlichen Vielfalt nicht auch gleich die Abschaffung der nationalkulturellen Vielfalt ist, wird hier ein Konflikt zwischen europäischer Ein-Staatlichkeit und europäischer kultureller Vielfalt erzeugt. Der Zusammenhang zwischen Staat und Kultur wird gesprengt. Offensichtlich unterschätzen die Vordenker der EU die konstituierende Kraft der Kultur für die nationale Organisation bzw. haben keine Ahnung davon, dass es sie gibt. Sie begründen ihre Auffassung mit dem Hinweis auf den technischen Fortschritt, der die Staaten und Völker immer näher zusammenrückt, in ihren Augen immer mehr nivelliere – und damit objektiv zum Totengräber der national-kulturellen Vielheit Europas wird. An ihre Stelle trete ein offener Kontinent, ohne nationale Struktur und Zuständigkeit, der mit zentralen Weisungen gelenkt wird. Es gibt keinen historischen Beweis dafür, dass der technische Fortschritt zu einer kulturellen Nivellierung führt, im Gegenteil, er steigert die kulturelle Diversität. Und es gibt keinen Beweis dafür, dass der technische Fortschritt in der politischen Diktatur am besten aufgehoben ist.
Die EU ist ein Gebilde der Herrschaftsgesellschaft. Sie ist das Ergebnis eines über hundert Jahre währenden Anspruchs der USA nach Weltherrschaft, und der Unterwerfung Europas mit dieser Absicht. Mit der EU glaubten die Amerikaner, Europa in Griff zu bekommen. Da aber der Nationalstaat als politische Organisation eine grundlegende Voraussetzung für die Entfaltung der Schöpferkräfte der Völker ist, fällt ihnen nun ihr Ziel auf die Füße. Aus den Katastrophen des Zwanzigsten Jahrhunderts sollte Europa – so die Voraussage – wie der Vogel Phönix aus der Asche aufsteigen und ein leuchtendes Symbol für alle Völker werden. Das Gegenteil trat ein, Europa wurde zum Mühlstein am Hals der Amerikaner. Die Völker wenden sich von diesem Europa ab. Das ist die aufsehenerregende Erkenntnis des neuen amerikanischen Präsidenten D. Trump. 


Bei der europäischen Integration gab es einen Gegenspieler – Russland. Das war so zu Sowjetzeiten und blieb auch danach so. Nach einer Phase der Ratlosigkeit infolge des Zusammenbruchs des Sowjetimperiums gelang es den Russen, mit starkem Nationalbewusstsein einen neuen Staat zu schaffen, der die westlichen Begehrlichkeiten dauerhaft in die Schranken wies. Und von da an war Russland in den Augen des Westens ein Feindstaat, der mit seiner modernen Militärmacht den Westen bedrohe. 


Die Blütenträume der EU sind dahin, aber die deutsche Führung hat sich ihnen verschworen. Sie hält noch immer an ihrem Vasallenauftrag fest. Sie und die anderen Vasalleneuropäer werden von dem Gefühl beschlichen, dass ihre Zeit vorbei ist. Die Angst geht um in der EU. Aus Angst vor der sich abzeichnenden Ende der EU folgen die EU-Länder widerstrebend Deutschland. Deutschland wurde von den USA als europäische Führungsmacht bestimmt. Aber es führt eine lustlose, marode Gemeinschaft. Die Visegrád-Staaten bilden hier eine Ausnahme. Die neue Führung in den USA ist aufs äußerste unzufrieden mit der Situation. Die deutsche Führung ist großsprecherisch und erfolglos. Nirgends geht es voran. Sie ist den USA lästig mit ihrer Einfallslosigkeit. Die anderen EU-Staaten folgen Deutschland nicht aus Überzeugung, sondern wegen der Gelder, die ihnen die Gefolgschaft einbringt. Sie wissen nicht, wie sie sich sonst noch über Wasser halten könnten. Das europäische Imperium EU erodiert zusehends. 


In allen EU-Ländern regt sich nationaler Widerstand. Die westeuropäischen Länder brechen als handlungsfähige Partner weg. Sie können in heiklen Situationen noch ihre Militärmaschine einsetzen, aber nur wenn der Gegner technisch weit unterlegen ist. Je stärker der zu erwartende Widerstand ist, desto unzuverlässiger werden sie. Als Machtfaktoren werden sie nicht mehr ernst genommen. Die EU konzentriert sich auf Russland, um es ökonomisch mit Sanktionen, militärisch mit Provokationen und politisch mit ideologischen Kampagnen zu destabilisieren. Es gelingt ihr jedoch nicht, Fuß zu fassen. Die Lenker der EU wissen, die russische Armee ist eine hochmoderne, disziplinierte Kriegsmaschine, der sie nicht beikommen können. Umso mehr befürchten sie eine Annäherung zwischen Russland und den USA, weil dann ihre schädliche Rolle ans Tageslicht käme.
China ist auf dem Wege, die USA zu überholen. Der östliche Riese sammelt Kräfte. Er wird die USA nicht nur quantitativ, sondern auch bald qualitativ überholen. Die wirtschaftliche Energie Chinas ist größer, denn von fast anderthalb Milliarden Menschen, mit einer großen national-kulturellen Geschichte und dem erwachten Selbstbewusstsein, geht mehr Energie aus als von der gesamten westlichen Welt mit ihrem noch vorhandenen technischen Vorsprung.
Dem Westen ist bewusst, dass er auf der Verliererstraße steht. Dieses Bewusstsein verdrängt er durch einen gewaltigen Propagandaaufwand. Obama war mit seiner Parole „Yes, we can“ ein Jongleur. Er ist am Establishments gescheitert und an seiner Führungsschwäche. Er hatte nicht den Mut, die Probleme der USA offen auszusprechen. Er litt unter dem Rassenproblem. Die Europäer machten ihn nicht stärker, denn sie standen auf Seite des alten Establishments. Sie griffen die Chance nicht auf, die mit Obama gegeben war. Die USA büßten während der Regentschaft Obamas ihre hegemonialen Vorsprung ein. Sie hatten kein Mittel mehr, das Gesetz des Handels zurückzuholen. Sie standen unter Obama vor dem Rätsel des größten Politikumschwungs ihrer Geschichte, der Abkehr vom amerikanischen Exzeptionalismus, einem Auserwähltheitsglauben, stärker als der jüdische. An diese Aufgabe wagte sich Obama nicht heran. 


Und da kommt Trump. Er erkennt, dass auf bisherigem Wege kein Halt mehr gefunden werden kann. Der Strudel ist zu mächtig. Er gibt die Losung aus „Amerika zuerst!“ Er ist ein Bruch mit der bisherigen Politik. Und sie soll einen Bruch bekommen. Er will nicht ein leeres nationales Pathos, er will ein Umdenken, ein Weckruf an sein Land. Und die westliche Welt schreit auf, denn alles, was er sagt, ist anders als das bisherig Bekannte. Trump ist ein Unternehmer, ein Macher. Er hat kein theoretisches Konzept. Er will die USA einfach umstellen. Und geht dabei so weit, dass er sagt, man müsse dem Volk die Macht zurückgeben. Diese Aussage öffnet neue Dimensionen. Sie rüttelt an den Grundfesten des bisherigen Politiksystems. Diese Bereitschaft macht ihn so gefährlich. Hier liegt die Spaltung der USA zwischen den konservativen Erneuerern und den demokratischen und republikanischen Betonköpfen. Wenn Trump sagt, er sei kein Politiker, so meint er, er sei nicht Politiker vom alten Schlage. Er ist nicht ein ideologisch gelenkter Politiker, sondern ein praktischer Virtuose. In der deutschen Geschichte kann man ihn mit Bismarck vergleichen. 

 

Diese offenkundige Handlungsbereitschaft der USA lässt Konturen von neuem weltgeschichtlichen Ausmaß entstehen. Die mächtigsten Staaten der Welt sind gegenwärtig USA, Russland und China – die Großen Drei. Im Interesse der Fortexistenz der Menschheit liegt es, dass diese sich ihrer Verantwortung bewusst werden und sich von niemandem provozieren lassen, Hass und Feindschaft zuzulassen. Die Großen Drei, ein Triumvirat Vernunft an der Spitze der Menschheit.
Es liegt vor allem in der Hand des amerikanischen Präsidenten, ob dieses Triumvirat  gelingt. Die Welt muss den amerikanischen Präsidenten beim Wort nehmen. Sie muss ihn ermuntern und sie muss ihn kritisieren, wenn er kleinmütig wird. Im Vergleich zu Russland und China ist der Übergang zu einer vernünftigen Weltpolitik, die den Weg zu einer menschheitlichen Erneuerung freimacht, in den USA am kompliziertesten, da diese bis in die jüngste Zeit ihr ganzes Bestreben auf die Behauptung als alleinige Weltmacht ausrichteten und starke militärisch-industrielle Kräfte an der Fortsetzung dieser Linie interessiert sind. Der hasserfüllte Widerstand gegen D. Trump, sowohl in den USA, als auch in allen westlichen Staaten, belegt diese Auffassung. Diese Kräfte möchten Deutschland an der kurzen Leine halten und fordern von ihm ein härteres außenpolitisches Vorgehen.
Der Erfolg von D. Trump hängt also nicht nur von seinem politischen Geschick ab, sondern auch davon, ob die Völker in den westlichen Staaten ihre Hardliner zurückdrängen und ausschalten. D. Trump hatte sich in seiner Antrittsrede für eine national selbstbestimmte Haltung ausgesprochen, nicht nur für die USA. Er hatte erklärt, dass die USA von den anderen Völkern nicht erwarten, dass diese die amerikanischen Lebensvorstellungen übernehmen. Er hat ihnen damit ihr Recht auf Selbstbestimmung bestätigt. Wenn die USA dieses Recht praktisch anerkennen, dann wäre für die Welt schon viel gewonnen, denn Russland und China verfolgen keine imperiale Politik. Besonders die Deutschen könnten aufatmen, weil damit ihr Vasallenstatus wegfiele. 


Die erwachenden nationalen Bewegungen in den westlichen Ländern haben in D. Trump einen starken Verbündeten. Die USA würden sich also nicht gegen die nationalen Kräfte stellen. Das war wohl die Botschaft, die der amerikanische Präsident mit der Verweigerung des Händedrucks mit der deutschen Bundeskanzlerin vor aller Welt demonstrierte, denn die deutsche Politik wünscht sich die öffentliche Bestätigung ihrer Politik durch die Amerikaner. Doch die Deutschen müssen selbst ihre Regierung zum Rücktritt zwingen, so wie die  Mitteldeutschen das in der „Wende“ getan haben. Das Selbstbestimmungsrecht richtet sich direkt an die Völker, aktiv zu werden. Es kann nicht von außerhalb durchgesetzt werden. Das Selbstbestimmungsrecht bedeutet, dass die Völker ihre nationale Souveränität verwirklichen und die äußeren Mächte nicht eingreifen. Jeder Eingriff von außen würde die nationale Lösungssuche erschweren, wenn nicht gar verhindern.  


Der amerikanische Präsident hat sich verschiedentlich kritisch zur Nato geäußert und ist dabei auf Wider-stand im eigenen Lande und in Europa gestoßen. Er ist daraufhin von seinem öffentlichen Zweifel abgewichen, hielt aber an seiner Forderung fest, dass die westlichen Bündnispartner ihre Rüstungsausgaben auf die vereinbarten zwei Prozent ihres Bruttosozialprodukts erhöhen. Nun ist die Nato als ein Relikt des Kalten Krieges bei den Völkern unbeliebt. Die permanente Unterfinanzierung des Rüstungshaushalts trägt dieser Stimmung Rechnung. Wenn jetzt nach dem Willen der deutschen Regierung die Rüstungsausgaben in den EU-Ländern erhöht werden, dann ist das nicht der Position des amerikanischen Präsidenten zuzuschreiben, sondern der Angst der europäischen Politiker vor dem Aus der Nato, denn dieses kommt unvermeidlich, wenn sie nicht die USA entlasten. Trump sieht in der Nato keine Militärmacht mehr, die für die Sicherheit der USA eine verlässliche Stütze ist. Insofern stellt er sie zur Disposition. Wenn die Westeuropäer wirklich von der Nato überzeugt sind, dann müssen sie mehr für sie tun. Sie entscheiden also, was mit der Nato geschieht.


Die Sicherheit der USA sieht Trump begründet in der eigenen Stärke und im achtungsvollen Umgang der drei Großmächte. Wenn diese von global-imperialen Bestrebungen absehen und eine gemeinsame Verantwortung für den Weltfrieden entwickeln, dann ist das die höchste Sicherheitsgarantie in unserer Zeit. Wir 

haben stets darauf verwiesen, dass der Westen an der Erneuerung teilnehmen kann und muss, wie überhaupt jedes Volk und jeder Staat. Solange er sich verweigert, bleibt ein großes Potential ungenutzt und verschärft sich sein kritischer Zustand. Den Westen in die Menschheitsentwicklung einzubringen, ist die Aufgabe, an deren Erfüllung Trump gemessen werden muss.   


Die Verantwortung der Großen Drei ergibt sich aus ihrem technisch-wirtschaftlichen Einfluss auf die Weltwirtschaft. Alle Staaten der Erde haben ein Interesse an diesem Friedens-Triumvirat, denn wenn jedweder Konflikt zwischen diesen Großmächten beendet wird, dann werden die anderen Staaten nicht in deren Konflikte hineingezogen. Damit geht die Ära zu Ende, in der sich hochgerüstete Militärblöcke beargwöhnen und bedrohen. Der Interessenkonsens zwischen den Großmächten vergrößert den Handlungsspielraum aller Staaten. Sie müssen sich nicht entscheiden zwischen diesem oder jenem, sondern sie können sich ganz auf ihre eigene Selbstbestimmung konzentrieren. Der endgültige Ausweg aus dem Kalten Krieg ist möglich. 


Für Europa heißt das, die Nato nicht militärisch gegen Russland aufzurüsten. Der von D. Trump geforderten Aufstockung der Militärausgaben darf also nicht nachgegeben werden. Vielmehr muss seine Forderung abgelehnt und für diese Haltung seine Zustimmung eingefordert werden, denn diese Zustimmung entspräche seinen eigenen Prämissen. Die Aussicht auf Erfolg einer solchen Haltung ist unter seiner Präsidentschaft erstmalig groß. Diese Haltung wäre eine echte Nagelprobe für die Ernsthaftigkeit und Zuverlässigkeit seiner bisher vertretenen Linie. Wenn alle Völker ihr Interessen an die Spitze ihres politischen Handelns stellen, dann besteht für die Erhöhung der Militärausgaben eben keine Notwendigkeit mehr, dann verschwinden die gefährlichen Konflikte und dort, wo dennoch welche entstehen, können sie durch gemeinsames Handeln schnell aus der Welt geschaffen werden.
Wie bekannt wurde, hat der amerikanische Präsident der deutschen Bundeskanzlerin eine Rechnung von 346 Mrd. Euro seit 2002 unterlassener Rüstungsausgaben vorgelegt, als Beweis für die Unaufrichtigkeit der Beziehungen zwischen beiden Ländern. Eine finanzielle und moralische Begleichung der Vergangenheit ist nicht möglich. Das führt zu neuen Meinungsverschiedenheiten und gegenseitigen Vorwürfen, die immer weiter in die Vergangenheit zurückgreifen. Die Bereitschaft, ein neues Kapitel in den Beziehungen aufzuschlagen, setzt voraus, auf „alte Rechnungen“ zu verzichten.


Europa ist heute ein Sorgenkind der Welt. Deutschland trägt dafür die Hauptverantwortung, denn die deutschen Regierungen haben sich seit Ende des Zweiten Weltkriegs als willige Erfüllungsgehilfen der Fremdherrschaft verhalten. Sie haben sowohl westlich als auch östlich des „Eisernen Vorhangs“ das Recht der Deutschen auf Selbstbestimmung ignoriert und damit dem eigenen Volk und den anderen Völkern einen schlechten Dienst erwiesen. Ein neues Kapitel der Geschichte muss die Selbstbestimmung des Volkes in den Mittelpunkt stellen.
Wenn Deutschland auf Grund der Vorhaltungen des amerikanischen Präsidenten aufrüsten sollte, dann wäre das ein erneutes Versagen, ein Schritt in die falsche Richtung. Ein solcher Schritt würde nicht dem amerikanischen Präsidenten hilfreich sein, immer unter der Voraussetzung, dass er eine Umorientierung anstrebt. Allerdings ist die gegenwärtige deutsche Politik nicht zu dieser Umorientierung bereit, weil die Politiker ihre  persönlichen Vorteile über das Interesse des Volkes stellen, ja, bereit sind, das Volk für ihre persönlichen Interessen zu opfern. Sie sind Bestandteil der herrschenden Clique auf der Welt. Hinter ihren angeblichen Handlungszwängen verbergen sich persönliche Ängste.


Wenn Trump sich kritisch zur Nato äußert, reagiert die deutsche Politik mit Ablehnung. Offensichtlich ist Trump von der Nato nicht mehr überzeugt. Aber er fordert jetzt die europäischen Politiker heraus: Wenn sie  die Nato haben wollen, dann müssen sie sich an die vereinbarten Ausgaben von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts halten. Er macht die Zukunft der Nato von der Entscheidung der Europäer abhängig. Wenn sie von der Notwendigkeit der Nato überzeugt sind, dann sollen sie ihren Völkern klar machen, dass sie anteilig für diese die Kosten tragen müssen. Wenn trotz angeblicher russischer Bedrohung keine Bereitschaft für die Kostenübernahme besteht, dann kann es mit den Bedrohungsängsten auch nicht weit her sein. Um sich ein eindeutiges Bild zu machen, könnten ja die europäischen Regierungen in ihren Ländern Volksabstimmungen über die Nato durchführen. Trump will, dass die europäischen Regierungen endlich Farbe bekennen, warum sie so an der Nato hängen. Die kritische Äußerung des deutschen Außenministers Gabriel an der Trump’schen Zwei-Prozent-Forderung geht am Kern der Sache vorbei. Nicht Trump ist das Problem, sondern die Begründung für das Festhalten am Fortbestand der Nato. Gibt es wirklich eine russische Bedrohung, die auch vom Volk empfunden wird oder wird die Nato für einen anderen Zweck gebraucht? Ist der Zweck der Nato ein anderer, als die Selbstverteidigung? – dann soll das offen gesagt werden: Die Nato wird gebraucht, um die eigenen Völker an die Kette zu legen und das bestehende System zu erhalten. Doch auf diese eigentliche Frage kommt Gabriel nicht zu sprechen.


Die Erhaltung der Nato dient einem anderen Zweck als dem öffentlich verkündeten. Aus Angst vor ihrer Auflösung unterstützt die deutsche Regierung die Erhöhung der Rüstungsausgaben. Trump hat seine Haltung von der Haltung der Europäer abhängig gemacht. Anstatt Trump an seine Worte zu erinnern, dass die USA das Eigeninteresse der Völker respektieren, was die Auflösung der Nato zur Folge hätte, denn die russische Bedrohung ist eine Lüge der Regierenden, spielen sie den Schwarzen Peter Trump zu und sagen: Er zwingt uns dazu, also müssen wir es machen. Sie rechtfertigen ihre unpopuläre Aufrüstung, indem sie auf Trump zeigen, anstatt über die Abwicklung der Nato zu sprechen. Anstatt Trump beim Wort zu nehmen und die Chance zu nutzen, einen eigenen Kurs zu entwickeln, lehnt man die Chance ab und geht den alten Weg. Das verschärft die Krise in Europa und vertieft die deutsche Isolation.
Deutschland stand im Zwanzigsten Jahrhundert im Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung, weil die beiden konkurrierenden Weltmächte, die USA und die Sowjetunion, es besonders auf Deutschland abgesehen hatten. Und weil außerdem im Dreiecksverhältnis Deutschland sich als dritte Konkurrenzmacht etablieren wollte, quasi als Abwehr einer Unterwerfung unter die beiden Großen, USA und Sowjetunion. Der vom nationalsozialistischen Deutschland eingeschlagene Weg war nicht die gesellschaftliche Alternative. Hitler benutzte die nationale und soziale Not des deutschen Volkes nach dem Ersten Weltkrieg, ihm fehlte jegliches tiefere Verständnis der Geschichte. Hier liegt der Hauptgrund für das Erstarken der nationalsozialistischen Bewegung. Aber dieser rechtfertigt sie nicht, kann sie nicht rechtfertigen, weil sie in Bezug auf Ziel und Weg nicht auf eine gesellschaftliche Erneuerung mit Hilfe eines volkssouveränen Nationalstaates ausgerichtet war. Der nationalsozialistische Staat lebte in der Illusion, dass er sein politisches und wirtschaftliches Defizit im Vergleich zu den beiden anderen Großmächten durch eine rigorose Diktatur ausgleichen könnte. Die Mehrheit der Deutschen glaubte diesen Wahn, sie sah keinen anderen Ausweg, sich der Vereinnahmung durch die beiden Weltmächte zu entziehen. Der eigentliche Grund ihrer Unterstützung des Nationalsozialismus war die Hoffnung, Deutschland auf diese Weise zu retten. Diese Hoffnung erwies sich, wie so oft in der Geschichte, als Selbsttäuschung.
Bei aller Verschiedenheit der drei konkurrierenden Mächte hatten sie eins gemeinsam, sie führten alle drei zur Zerstörung der Gesellschaft – zu Diktatur, Verelendung und Chaos. Alle drei waren Erscheinungen der finalen Krise der Zivilisation. Die gesamte gesellschaftliche Bewegung im Zwanzigsten Jahrhundert kam nicht über die Grenzen der Herrschaftsgesellschaft hinaus. Keiner dieser Drei hatte die demokratische Erneuerung zum Ziel.  


Deutschland muss sich der Fremdsteuerung entziehen. Es sollte seinen eigenen Weg einschlagen. Aber davor scheut die gegenwärtige deutsche Regierung zurück. Sie will das nicht. Sie ist offensichtlich unfähig. Sie ist zur Zeit das größte Problem der Deutschen.  


Johannes Hertrampf – 28.03.2017

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