Einige Anmerkungen zur Leitkultur

Gerd Medger – 01.05.2016

Parteien, die meinen sich volksnah geben zu wollen oder geben zu müssen und die an des Volkes Seele anknüpfen wollen, verwenden neuerdings gern den Begriff Leitkultur.

Dieser Begriff klingt doch gut.

Bei der flutenden Überfremdung ist das auch ein Balsamtropfen auf des Volkes Seele. Das Volk meint, endlich denken die Politiker daran, dass wir ein eigenständiges Volk mit einer eigenen Kultur sind. Das könnte dann die Leitkultur sein.

Das wirkt beruhigend, weil man doch damit gleichzeitig verbindet, dass damit die Flutung mit kulturell Fremden endlich geordnet und gebremst wird.

Auch in der Öffentlichkeit/Medien gibt man sich gern zu diesem Thema hin. Beispiele:

  • Der CICERO 21. Januar 2015,
  • Die Thüringer Landeszeitung vom 28. November 2015
  • Die Tagung der CDU/CSU-Integrationspolitiker in Dresden: „Unsere Leitkultur ist nicht verhandelbar und Grundlage erfolgreicher Integration“ im November 2015.

Die Fachpolitiker (richtig, sie nennen sich selbst Fachpolitiker) haben sich in ihrer verabschiedeten Erklärung für eine Leitkultur der Grundwerte ausgesprochen, nach der die freiheitlich-demokratische Grundordnung den Maßstab für die Integration von Asylsuchenden und Flüchtlingen in Deutschland bildet. „Individuelle religiöse und kulturelle Ansichten müssen sich unserer Verfassung unterordnen. Unsere Leitkultur ist nicht verhandelbar und Grundlage erfolgreicher Integration“.

  • Bereits am 6. November 2000 unkte oder warnte die FAZ wie folgt: Von „deutscher Leitkultur“ zur „Leitkultur Deutschlands“
  • Die CSU will sogar eine Verfassungsänderung zur Leitkultur (Freie Presse 18.01. 2016)

Das klingt alles sehr schön, aber damit streut man nur Sand in die Augen des Volkes.

  • Wer soll denn die Leitkultur bestimmen- etwa die linksorientierten Politiker in den Parlamenten?
  • Wie will sich denn eine Partei, welche meint noch nationale und traditionelle Wurzeln zu hegen, bei diesem linken parlamentarischen Gewirr durchsetzen?
  • Soll denn überhaupt das Volk einbezogen werden?
  • Was für ein Volk soll einbezogen werden, eins, das bereits durchmischt ist?

Der Begriff Leitkultur birgt also eine große Gefahr.

  • Wenn es eine Leitkultur gibt, dann gibt es wohl auch Nebenkulturen.
  • Wer bestimmt diese, wie ist mit diesen umzugehen und sind diese zu dulden?

Aus meiner Sicht könnte sich die Streiterei erübrigen. Sie wäre nicht erforderlich. Ein Volk, wie das unsere, mit einer mehr als 2000-jährigen Geschichte besitzt ausreichend prägende Ereignisse, die seine Kultur darstellen können.

Diese Kultur wurde uns von unseren Vätern und Müttern, unseren Großvätern und Großmüttern, von unsern Ahnen aus der germanischen und keltischen Zeit übermittelt. Auch die griechischen, die römischen und christlichen Einflüsse sollen genannt werden.

Zu unserer Leitkultur gehört auch das Faustische, der faustische Wagemut.

Der faustische Drang in unserem Volk / Seele appelliert an uns:

  • „Du sollst nicht ruhen oder Dich zufrieden geben, was auch immer Du erreicht hast.
  • Streben sollst Du alle Tage lang.
  • Du sollst alles entdecken, alles wissen, alles beherrschen.“

Der faustische Drang vieler europäischer Menschen unterscheidet sich dabei wesentlich von dem Drängen des orientalischen Gemüts

  • nach maßlosem Besitz,
  • von ihrer ungezügelten Geldgier jenseits aller Vernunft und
  • dem Verlangen nach persönlicher Übersteigerung.

Es ist der faustische Drang,

  • der uns zu dem herausragenden Volk von Entdeckern machte,
  • der uns dazu brachte, die höchsten Berge zu ersteigen,
  • im Gegensatz von Völkern, die sich damit begnügten, für immer im Tal zu bleiben.

Friedrich Schiller erkannte unser Volk richtig. In einem unvollendeten Gedicht schrieb er:

Das ist nicht des Deutschen Größe,

Obzusiegen mit dem Schwert.

In das Geisterreich zu dringen,

Vorurteile zu besiegen,

Männlich mit dem Wahn zu kriegen

Das ist seines Eifers wert.

Was prägt unsere Kultur?

  • Das ist der Geist der aus den Liedern der Minnesänger und Troubadoure, aus den Edden, aus dem Nibelungenlied, aus dem Hildebrandtlied, aus dem Siegfriedlied, aus dem Gudrunlied, aus der Thidrekssaga sprüht.
  • Das ist der Geist der aus unserem Liedgut (unser Volk besitzt das meiste Liedgut, man sprich von über 500.000 Liedern), aus dem Geist unserer Märchen und Sagen sprüht.
  • Das ist der Freiheitswille der Germanen. Schon Hegel sagte: „Der germanische Geist das ist der Geist der Freiheit.“
  • Das ist der in uns geborene Gerechtigkeitssinn.
  • Das Leben vieler Generationen im nordischen Isolat, eingegrenzt durch die Eisdecken im Norden und in den Alpen sowie durch die Sümpfe von Pribjat (*) im Osten.

Diese Eingrenzung machte es nicht erforderlich, dass Begriffe und Verhaltensweisen für Misstrauen entwickelt wurden. Das Fehlen an Misstrauen wird von unseren Feinden als Dümmlichkeit und als Schwäche hingestellt. Beispiele sind die Blondinenwitze und die Ostfriesenwitze. Diese sind eigentlich Rassismus gegen unser Volk.

Diese Eigenart wird von den Feinden unseres Volkes, und das sind alle diejenigen, welche uns den Erfolg neiden, schamlos ausgenutzt.

  • Das ist Emmanuel Kant, der uns aufrief den Mut zum eigenen Vertrauen zu haben und Verantwortung zu übernehmen.
  • Da sind die Komponisten des Barocks sowie Beethoven, Wagner und viele andere.
  • Da sind die Philosophen, Dichter und Denker, welche nicht nur die deutsche, sondern auch die europäische Kultur prägten.
  • Das sind die Burgen, Schlösser, Klöster, Dome, Kathedralen, Kirchen, die Städte mit ihren Marktplätzen und Rathäusern sowie die gepflegten Dörfer.
  • Das ist die Liebe zur Heimat, zum Vaterland und zur Muttersprache.
  • Dazu gehören aber auch solche Namen für die Gaststätten und Hotels wie zum Beispiel: Zur Linde, Deutsche Eiche, Zum Adler, Zum Krug, Erbgericht, Kretscham, Zur Ausspanne.
  • Dazu gehört auch eine saubere Muttersprache, frei von Anglizismen.

(*) Dazu bestehen verschiedene Schreibweisen: Pribjat, Prybjet, Pribyat

Nun enden Kulturen nicht zwingend haarscharf an den nationalen Grenzen. Die wechselvolle Geschichte der Völker Europas lässt das auch nicht zu. So sind zum Beispiel die Kulturgrenzen zu unserem französischen Nachbarn, insbesondere in den fränkischen Teil Frankreich fliesend. Beispiele sind:

  • Die Gebiete im Elsass und Lothringen und das Burgunderland – denn die Elsässer, Lothringer und Burgunder sind germanische oder Ostfränkische Stämme.
  • Holland – Dort lebte der germanische Stamm der Bataver.
  • In Belgien sind es die Wallonen und die Flamen.
  • In Dänemark sind es die Nordfriesen, die Angeln und die Jüten.
  • Im Norden Deutschlands sind es die Dänen, die dort als nationale Minderheit leben.
  • Auch zu unseren östlichen Nachbarn, wie zu den Pommern, den Balten, den ehemaligen Gebieten der Goten und Wandalen (nach dem 2.Weltkrieg politisch anders zugeordnet) bestehen mehr oder wenig starke kulturelle Gemeinsamkeiten.
  • Im Osten der derzeitigen BRD leben noch Schlesier und Sorben als Minderheiten.

Da ist auch gut so, denn das verbindet und kann friedensfördernd wirken.

Ein wichtiger Grundsatz ist der folgende:

Nur wenn man seine eigene Kultur kennt, diese in sich verfestigt ist, diese einem bewusst ist und diese im eigenen Alltag gegenwärtig ist, erst dann sollte man / darf man mit anderen Kulturen in ´Verbindung` treten.

Alles andere ist Selbstmord vor der Geburt.

Aber das geschieht bereits mit unseren Kindern und mit unserer Jugend; viele junge Erwachsene brachten diesen Prozess bereits hinter sich.

Ohne ihrer eigenen Kultur bewusst zu sein, lässt man diese auf die Kulturfremdlinge los und spricht von Kulturbereicherung.

Man muss aber auch beachten, je tiefer man in das benachbarte Land dringt, desto schwächer werden die kulturellen Gemeinsamkeiten.

So bestehen zum Beispiel zwischen Deutschland und Südfrankreich wesentlich schwächere kulturelle Gemeinsamkeiten als zum Elsass und zu Lothringen. Derartiges gilt auch gegenüber unseren östlichen Nachbarn.

Je weiter man sich von der deutschen Nationalgrenze entfernt, desto schwächer werden die kulturellen Gemeinsamkeiten. Noch deutlicher wird es, wenn gar Drittländer oder mehrere Drittländer dazwischen liegen. Das trifft besonders auf die Länder in Nahost und in Afrika zu.

Zu diesen bestehen große religiöse Unterschiede, sogar Gegensätzlichkeiten; es sind völlig entgegengesetzte Kulturen.

Die Menschen dort sind nicht abendländisch und nicht faustisch sondern mediterran orientalisch geprägt. Das aber auch schon über Jahrtausende.

Diese zusammenzuführen gleicht dem Versuch eine Schraube mit einem metrischen Gewinde und einer Mutter dem englischen Whitworth-Gewinde zusammenfügen. Äußerlich sind sich diese beiden Gewindearten sehr ähnlich; sie unterscheiden sich aber im Flankenwinkel und in der Steigung der Gewindegänge. Das eine ist auf dem metrischen System (mm) und das andere auf dem Zoll-System aufgebaut.

Ein gewaltsames Zusammenfügen führt immer zu einer Zerstörung eines Gewindes oder beider Gewinde. Jeder Schlosser und Werkzeugmacher wird das bestätigen.

In Sorge um das Vaterland

Gerd Medger – am 1. Mai 2016

dresden@gerd-medger.de

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