Ist die „Pause“ zu Ende?

„Abkehr vom ‚unendlichen Konsum‘“, so lautet der Titel eines Berichtes in der Dithmarscher Landeszeitung (DLZ) vom 14.09.2016, S. 4.

Wir sollen offensichtlich auf den Abschied von dem bisherigen Wachstums- und Konsumdenken vorbereitet werden. Damit es den Menschen leichter fällt, lässt man zwei Zukunftsforscher zu Wort kommen. In einem fast halbseitigen Artikel in der o.g. Zeitung legen die beiden Herren ihre Pläne vor.

Es heißt u.a.: Mit einem radikalen Plan für einen Umbau der Volkswirtschaften haben sich zwei der einflussreichsten Zukunftsforscher der vergangenen Jahrzehnte zurückgemeldet. Der neue Bericht an den Club of Rome, den Jorgen Randers und Graeme Maxton am Dienstag in Berlin vorstellten, trägt den Titel „Ein Prozent ist genug. Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen“.

Das sind ja ganz neue Töne. Bisher wurde immer gepredigt, dass ein höheres Wachstum nötig sei, um den erreichten Lebensstandard erhalten zu können. Es wurden Armutsszenarien an die Wand gemalt, wenn das Wachstum auch nur geringfügig sinken sollte.

Wenn es grundsätzlich auch richtig ist, dass wir uns von dem merkwürdigen Wachstums- und Konsumdenken verabschieden sollten, so zeigen die Gedanken der Autoren etwas ganz anderes.

Die angeblich sinnvolle Änderung sieht eine schrittweise Anhebung der Erbschaftssteuer auf bis zu 100 Prozent vor – das komplette Vermögen der Gestorbenen fiele damit an den Staat. Noch merkwürdiger ist der Vorschlag, eine Prämie für Kinderlosigkeit(!) (Fett nicht im Original) zu zahlen! Zum einen führt das zu Rentenproblemen, noch viel wichtiger aber ist, dass eine Förderung der Kinderlosigkeit den Volkstod nach sich zieht.

Eine Anhebung der Erbschaftssteuer wäre eine Ausraubung der Bürger und ein Eingriff in die Familienautonomie. Erbschaftssteuer zu erheben, ist ohnehin ein unsittlicher und unmoralischer Eingriff in die Selbstbestimmtheit der Familien! Außerdem würde es das Grundprinzip der Demokratie in Frage stellen, denn der Mensch ist mündig und kann selbständig leben. Wenn aber der Staat alles regelt und auch die Werte an sich nimmt, so heißt das im Umkehrschluss, der Mensch sei nicht dazu in der Lage. Das ist dann eine Staatsform, die noch wesentlich unfreier ist als die Monarchie, und es erinnert an das Schicksal der Sklaven in den USA, die auch nicht für ihre Kinder und Familien sorgen durften.

Außerdem gibt es verschiedene Länder, in denen gar keine Erbschaftsteuer erhoben wird. In Österreich wurde 2009 die Erbschaftssteuer abgeschafft und weitere 19 EU-Staaten kommen ebenfalls ohne diese aus.

Des Weiteren schlagen die Zukunftsforscher eine Erhöhung des Rentenalters auf 70 Jahre vor.

Nimmt man all diese Auslassungen der Herren zusammen und macht sich bewusst, dass der Club of Rome Mitglieder überdurchschnittlicher Intelligenz hat, so bleibt nur der Schluss: Auch diese Vereinigung und diese Herren handeln im Sinne der schon über 150 Jahre alten Pläne zur Vernichtung Deutschlands und anschließend der übrigen Völker.

Für reiche Industriestaaten gehört nach Meinung von Randers und Maxton auch die Erhebung höherer Steuern auf ungesunde Produkte und fossile Brennstoffe. Sie fordern eine Abkehr vom Freihandel, vom unendlichen Konsum und von der marktradikalen Ideologie. Da werden verschiedene Dinge in einen Topf geworfen. Höhere Steuern auf ungesunde Produkte zu erheben ist richtig, aber auf fossile Brennstoffe ist fragwürdig. Die Abkehr vom unendlichen Konsum ist begrüßenswert, aber vom Freihandel Abstand zu nehmen, bedeutet eine Bevormundung der Firmen.

Maxton  erklärt: In den letzten 30 Jahren hatten wir wirtschaftliches Wachstum, und trotzdem sind Arbeitslosigkeit und Ungleichheit schlimmer geworden. Natürlich spielen da auch andere Faktoren eine Rolle, aber dass das Thema überhaupt angesprochen wird, zeigt, dass eine Änderung geplant ist.  Die Forscher appellieren an die Menschen, nicht zu jammern, wenn Regierungen und Zentralbanken das Wachstum nicht über ein Prozent anheben können, sondern wir sollten uns damit zufrieden geben.

Die Zufriedenheit anzusprechen, ist ein wichtiges Mittel, die Menschen aufzufordern, darüber nachzudenken, ob der bisher eingeschlagene Weg richtig ist.

Weiter heißt es: Randers betonte, ihre Reformvorschläge böten für die Mehrheit der Menschen auch kurzfristig Vorteile. Als Beispiel nannte er die Einführung von zwei zusätzlichen Urlaubstagen pro Jahr.

Ja, wirklich kurzfristig: die Alternative bei Kinderlosigkeit bedeutet zu arbeiten, bis man stirbt, denn wer sollte die Rente wohl erwirtschaften?

Des Weiteren werden Ernst Ulrich von Weizsäcker und Anders Wijkman, die Präsidenten des Club of Rome angeführt. Diese beiden Herren sehen in dem Bericht eine Vielzahl guter Ansätze. Außerdem warnen sie: „Viel Zeit bleibt unserer Welt nicht mehr, um ihre Hochgeschwindigkeitsfahrt zu beenden! Die Mauer kommt näher …“

Am Schluss des DLZ-Beitrags heißt es: „‘Der Club of Rome war seiner Zeit immer voraus‘, sagte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bei der Buchvorstellung.

Da kommt einem das Buch von Erich Kuby „Das ist des Deutschen Vaterland?“, mit dem Untertitel „70 Millionen in zwei Wartesälen“, erschienen 1957 im Scherz & Goverts-Verlag Stuttgart,  in den Sinn. Schon vor Jahrzehnten sprach Kuby davon, dass die Pause einstmals zu Ende wäre.

So werden wir nun also anscheinend darauf vorbereitet, dass die „Pause“ zu Ende ist, und wir sollen lammfromm als Sklaven tätig sein. Denn auch der Sklave hat nichts von den Früchten seiner Arbeit, hat keinen Gestaltungsspielraum für seine Familie und arbeitet bis zum Tod.

Kuby ist ein Schriftsteller, der nach eigenen Angaben in dem genannten Buch zu den Amerikanern ging und um Arbeit fragte. Er wurde angestellt, denn die Amerikaner wollten das deutsche Verlagswesen neu aufbauen.  Es handelte sich um die Lizenzausgabestelle.

Nach Wikipedia wurde Kuby von der amerikanischen Militärverwaltung beauftragt, auch Zeitungslizenzen für vertrauenswürdige Persönlichkeiten auszustellen.

In seinem Buch schreibt Kuby, dass die Bildzeitung 1956 eine Auflage von einer Million hatte und ein Jahr später schon auf 3.000.000 gestiegen ist. Er schreibt: Wenn man in ein Auto Aral tankt oder Shell, weiß man, dass es sich mit Aral oder Shell fortbewegt und stellt daran die Frage: Was bewegt ein Volk, das „Das Bild“ tankt? (S. 16/17)

Kuby schreibt, dass die deutsche Geschichte nicht 1933 beginnt und nicht 1945. 1945 hat nur eine Pause begonnen. Er überlegt, dass man aufschreiben müsse, was unser Volk in seinen Wartesälen treibt, und wohin es treibt. Denn plötzlich wird die Wartezeit, die Pause vorbei sein, es ist ja mit Händen zu greifen, dass sie die längste Zeit gedauert hat, und es wird ein großes Erstaunen in der Welt sein. Sie waren doch so schön am Spielen, die Deutschen.  (S. 18)

Wir nähern uns mit Riesenschritten dem Zeitpunkt, an dem die Pause vorbei ist!

 

Elke Fuchs, 16.09.2016

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