Keine Zeit für Spießbürger und Hasenfüße

Helmut Müller – 18.06.2016

Pas de temps pour philistins et trouillards No time for philistines and cowards

Nizza. Mit großen Tönen und Betroffenheitsritualen überspielen westliche Politiker ihre Mitverantwortung, und erneut geben sich Ignoranz und Heuchelei die Hand. Dabei haben schwere politische Fehler im Zuge einer abenteuerlichen US-amerikanischen Außenpolitik mit ihren millionenfachen Opfern und eine völker- und menschenrechtswidrige, ja rassistische Siedlungspolitik Israels das Aufkommen eines von Golfstaaten maßgeblich finanzierten kämpferischen Islamismus erst ermöglicht.

Die Paten des Terrors sitzen jedenfalls nicht in Moskau oder Peking. Ja, und „wir müssen“ uns nun an den Terror gewöhnen, tönt es vielsagend aus Paris und Tel Aviv. Will heißen, dass  die Hauptschuldigen von ihrer verhängnisvollen Politik nicht lassen wollen und ihre EU-Vasallen mit ihrer Einwanderungspolitik weiter dafür sorgen werden, dass der Islamische Staat wie auch Herr Erdogan auch auf europäischem Boden ihre jeweilige Gefolgschaft rekrutieren können.

Nun profitieren aber von dem bereits bestehendem  Chaos und einer gefährdeten Sicherheitslage nicht nur die politischen Stützen des Systems, in dem jetzt unter anderem die Kontrolle der Bürger effektiver erfolgen kann als bisher, sondern, es gereicht den so genannten Rechtspopulisten ebenso zum Vorteil: Eine Regierungsbeteiligung scheint deshalb da und dort in Reichweite, je mehr Einwanderer und Unsicherheit, desto eher. In einigen anderen Fällen wurde  der Machteinstieg bereits realisiert.

Allerdings sind die atmosphärischen und politischen Bedingungen in  Ländern wie Frankreich, Deutschland oder Österreich doch andere als etwa in Dänemark. Wer etwa hierzulande  mit den jeweils Regierenden zu Tische sitzen möchte, dem müssen, wie gewohnt aus besonderen Gründen, Querdenker oder  Unbeugsame mehr als ein Dorn im Auge  sein. Da können dann schon einmal Köpfe rollen; ein Vorwand ist schnell gefunden.

Da wird eine FN-Vizepräsidentin für drei Monate von ihrem Amt suspendiert, weil sie an einer Veranstaltung des inzwischen verfemten Parteigründers teilgenommen hatte. In einem anderen Falle muss ein nationaler Recke die Partei verlassen, nachdem offenbar wurde, dass er sich vor Jahren nicht politisch korrekt über eine fundamentalistische religiöse Gruppe geäußert hatte. Noch immer ein Tabu-Thema, besonders für Deutsche.

Nicht zuletzt werden sich noch einige an den Fall des kämpferischen und daher unbequemen österreichischen FP-Abgeordneten Königshofer erinnern, dem, übrigens nur auf Verdacht, der smarte Norbert Hofer schriftlich mitteilte, dass er aus der Partei ausgeschlossen wurde. Rehabilitiert und in die Partei wieder aufgenommen wurde er, nachdem sich die Vorwürfe, eine Neo-Nazi-Webseite betreffend, als substanzlos erwiesen hatten,  natürlich nicht. Gewiss, manche Partei befindet sich auf dem Weg nach oben auch in einer moralischen Zwangslage, in der das unter „Freunden“ und „Kameraden“ übliche zwischenmenschliche Verhalten plötzlich unter schweren Druck gerät. Und auch Wahrheit und Wahrhaftigkeit.

Nur reiner Opportunismus hilft vielen auf der Karriereleiter weiter. Eine so ausgerichtete Parteiführung muss daher aber auch in Kauf nehmen, sich mit Vasallen und Gemeinen, Laschen und Feigen auf einem gemeinsamen Nenner wiederzufinden. Muss akzeptieren, dass der Virus der Unterwerfung  gänzlich in der Partei Einzug hält. Muss zusehen, wie neben ihr die perverse Lust, alles Große und Erhabene in den Dreck zu ziehen, weiter gepflogen wird, ohne dagegen entscheidend vorgehen zu können. Denn dazu bedürfte sie der absoluten Macht. Wenn auch dafür das System Erdogan nicht unbedingt als Beispiel gelten sollte.

Ohne Zweifel muss aber, wer die Machtfrage stellt,  auch die Systemfrage stellen. Daran führt kein Weg vorbei. Wer sich davor scheut, diesem nur mehr unheilbringenden und ausbeuterischen System den erforderlichen Stoß zu geben, trägt nur dazu bei, es künstlich weiter am Leben zu erhalten. Insofern dürften die dem AfD-Politiker Björn Höcke zugeschriebenen Worte „Für mich ist die AfD die letzte evolutionäre Chance für dieses Volk“ das Dilemma in dem sich ähnliche Parteien befinden, goldrichtig charakterisieren.

Dass ich seit jeher der Ansicht zuneige, dass ohne grundlegende Systemänderung nichts mehr zu gewinnen sei, sei hier nebenbei erwähnt. Dazu passend noch einmal an dieser Stelle die Erkenntnis des Nationalrevolutionärs Ernst Niekisch: „Entweder wir sind ein revolutionäres Volk oder wir werden endgültig  aufhören ein freies Volk zu sein“.

Wenn wir es nicht wollen oder nicht mehr können, so werden andere die Änderung in ihrem Sinne bewerkstelligen. Das könnte aber auch bedeuten: wer heute in die Hose macht, der wird gerade deshalb morgen ins Gras beißen müssen. Das sei allen Spießbürgern und Hasenfüßen ins Stammbuch geschrieben, die spätestens aus dem Drama von Nizza noch immer nicht die richtigen Schlüsse gezogen haben.

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