Leitlinie

Wir spüren alle, wir gehen einem Epochenwandel entgegen. Viele Zeichen deuten darauf hin. Rund um die Erde protestieren die Menschen gegen politische Entmündigung, Korruption und soziale Verelendung, auch in den Ländern der westlichen Welt. Trotzdem wollen deren Führer der ganzen Menschheit ihr System aufzwingen, zetteln Verschwörungen und Kriege an, unterstützen offen Terroristen, inszenieren Anschläge und schaffen Chaos. Doch der Widerstand gegen diesen Irrsinn wächst. Anstatt einen Dialog mit der weltweiten Opposition zu suchen, erhöhen die Führer der westlichen Welt, allen voran jene aus den USA, ihren politischen, militärischen und ideologischen Druck vor allem auf die Großmächte Russland und China, die das hauptsächliche Gegengewicht zu dem westlichen Hegemonialanspruch sind. Die Hardliner in den USA sind in ihrem blinden Wahn bereit, einen Dritten Weltkrieg auszulösen.

Die Ursachen für Kriegsgefahr und die Ursachen für Krisen der westlichen Finanz- Wirtschafts- und Sozialsysteme sind gleich; es ist die jahrtausendealte Herrschaft einer Minderheit über die Mehrheit, die sich durch die ganze Zivilisation hindurchzieht. Diese Art von gesellschaftlicher Organisation wird nun von den Bürgern im Westen in Frage gestellt. Deshalb stellen sie dieses alte System an den Pranger. In ihren Protesten und Forderungen drückt sich der Überlebenswille und die Entschlossenheit aus, endlich in ein Zeitalter des Friedens, der Menschenwürde und der Harmonie einzutreten.

Die Suche nach einer anderen, einer besseren Gesellschaftsordnung ist nach den bitteren Erfahrungen des Zwanzigsten Jahrhunderts und den anhaltenden brutalen Gewalttaten der finsteren Mächte aktueller denn je. Auch im Einundzwanzigsten Jahrhundert wurde bisher kein Ansatz für eine Lösung gefunden. Die westliche Welt häuft unentwegt neue Hindernisse auf, indem sie das Völkerrecht bricht und die Menschen mit falschen Informationen überschüttet. Starrsinnig will sie damit ihren Niedergang aufhalten. Zwischen dem Verlangen der Völker und dem zunehmenden Bedrohungspotential der westlichen Welt liegt eine tiefe Kluft. Wenn dieser Widerspruch nicht bald aufgelöst wird, dann droht der Menschheit die Selbstzerstörung.

Die Kraft der politischen Vernunft muss stärker werden. Dafür bestehen gute Voraussetzungen. Die Zeiten sind vorbei, da man die Völker täuschen und gegeneinander ausspielen konnte. Das zeigt sich besonders hinsichtlich der Stellung zum Krieg. Im Vergleich zum Zwanzigsten Jahrhundert lehnt heute die Mehrheit der Menschen den Krieg als Mittel der Politik ab. Das ist eine fundamentale neue Einstellung, die von den Herrschenden nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Es ist höchste Zeit, weitere Barrieren der Vernunft zu errichten, die den Verlauf der Weltgeschichte in neue Bahnen lenken. Die Alternative ist eindeutig: Entweder beugen sich die westlichen Führer der praktischen Vernunft, in der sich die Grundinteressen der Völker ausdrücken oder sie verschwinden von der weltpolitischen Bühne.

Die Forderung nach Selbstbestimmung und Demokratie, die von der Mehrheit der Weltbevölkerung erhoben wird, ist richtungsweisend. Einen anderen akzeptablen Weg in die Zukunft als die Verwirklichung dieser Forderung gibt es nicht. Die Machthaber dieser Welt und auch die Führer der Opposition haben nicht das Recht, ihre Wunschvorstellungen den Menschen aufzuzwingen, sondern sie müssen auf die Stimme ihres Volkes hören und ihr Handeln danach ausrichten. Die Stimme des Volkes muss ihren richtigen und unbeschmutzten Stellenwert erhalten. In den Forderungen der Menschen von heute stecken jahrhundertelange Erfahrungen mit der Zivilisation und das hohe Wissen der Gegenwart. Nie zuvor in der Geschichte war die Bildung größer als heute, nie zuvor wussten die Menschen mehr über Natur, Mensch und Geist als heute. Die von den Herrschenden aufgestellte Behauptung, dass die Völker nicht genügend wissen, um Politik mitzubestimmen, ist also eine glatte Lüge.

Die Konflikte der Gegenwart resultieren nicht aus den Interessen und den Bedürfnissen der Völker, sondern einzig und allein aus den Machtinteressen der Herrschenden. Diese Machtinteressen  deformieren nachhaltig die geistige Kultur, die technische und die wirtschaftliche Entwicklung. Um ihre Machtinteressen durchzusetzen, belügen die Herrschenden die Völker und zerstören die Natur. Über aller Ordnung und Rechtsstaatlichkeit thront ganz oben die nackte Gewalt, die keine Macht über sich anerkennt.

Das Misstrauen der Menschen gegen die Herrschenden ist berechtigt. Nicht die Völker haben das Vertrauen gebrochen, sondern die Machtinhaber. Es gibt kein Volk auf dieser Welt, welches durch eine Erbschuld belastet ist. Es gibt nur Völker, die in besonders hinterlistiger Weise verführt wurden. Die Herrschenden haben zu keiner Zeit ein ehrliches Verhältnis zu ihrem Volk gehabt, immer haben sie die Menschen in ihrem Interesse manipuliert. Dieses falsche Spiel liegt im Wesen der Herrschaft begründet.

Wenn heute die Menschen sich gegen die Herrschaft auflehnen, haben sie nicht nur ihr Schicksal  im Auge, sondern nehmen sie auch Verantwortung für die Zukunft wahr. Der Kampf  um eine menschenwürdige Gegenwart und der Kampf für ein neues Zeitalter bilden eine Einheit. Das ist der Grund, warum die Menschen nie aufgeben werden und ihre Interessen nach vorn weisen. Die Gefahren in der Gegenwart sind groß, aber die Möglichkeit, diese Gefahren zu bändigen, sind größer. Daraus ergibt sich der Optimismus für die Zukunft.

Sind wir Deutschen optimistisch? Wie sehen wir die Zukunft? Das Zwanzigste Jahrhundert hinterließ bei den Deutschen eine tiefe Niedergeschlagenheit und Unsicherheit. Lange Zeit schien es so, als würde der „deutsche Michel“, dieses ironisch-liebevolle Selbstbildnis der Deutschen, nicht mehr aus seinem Trauma aufwachen. Es wurde sogar vom „induzierten Irresein“ gesprochen, als hätte die Umerziehung schon unheilbare Schäden angerichtet. Doch auch diese Aussage wird widerlegt. Es kommt etwas in Bewegung. Unter der Oberfläche haben sich Kräfte entwickelt, die nun in die Öffentlichkeit treten, ganz zur Überraschung der Regierenden. In ihrer Dünkelhaftigkeit haben die Herrschenden ihr Wunschdenken zum einzig Gültigen für alle anderen erklärt und erkennen nun ihren Irrtum.

Die jüngsten Ereignisse deuten wir so:

Der Deutsche reibt sich die Augen und reckt sich. „So kann es nicht weitergehen. So soll es nicht weitergehen.“ Nie war die Hoffnung größer als jetzt. Aus ihr erwächst die Zuversicht, bis sie zur Gewissheit wird: Wir werden dabei sein, gemeinsam mit allen Völkern, wenn es um eine neue Ordnung des Friedens und der Harmonie geht. Die Völker warten auf uns. Diesen historischen Optimismus hassen die Herrschenden, weil sie wissen, sie können ihn nicht besiegen.

Der Funke hat gezündet. Die Erneuerung soll nicht irgendwann beginnen, sondern jetzt. Sie muss an dem gemessen werden, was sich im täglichen Leben verändert. Sie muss von Anfang an erlebt werden. Nur wenn die Erneuerung in der Gegenwart beginnt und im Hier und Heute ansetzt, werden sich die Menschen mit ihr identifizieren. Sie haben gelernt, was sie nicht selbst durchsetzen, tritt nicht ein. Ihre Gutgläubigkeit und ihr Langmut wurden von den Politikern zu oft missbraucht.

Eine vernünftige Welt, ohne Hunger, ohne Krieg und Ausbeutung, entsteht nicht ohne das  Zutun von Menschen, denn: Wer herrscht, entmündigt; wer herrscht, verteilt; wer herrscht gibt den Ton an. Und schließlich: Wer herrscht, wird die Herrschaft nicht mehr freiwillig abgeben.

Deshalb muss eine wirkliche Erneuerung der Gesellschaft an die Stelle der Herrschaft von einzelnen Machthabern oder von Oligarchien treten und ein neues Ordnungsmittel setzen. Gemeint ist hierbei ein solcher Typus von Volkssouveränität, bei dem die Bürger das Recht haben, in allen Lebensbereichen und auf allen Ebenen mitzubestimmen.

Dieses neue Selbstbewusstsein ist der Schlüssel für den Epochenwandel. Kein Recht ohne Pflicht! Keine Freiheit ohne Ordnung! Das wird auch künftig gelten.

Diese Ordnung lässt sich nicht als Vision vorausdenken, sondern sie ist das schöpferische Werk der jeweils Lebenden. Was wir benennen können, sind Zusammenhänge, die in der Vergangenheit wirkten und in der Zukunft wirken werden, insofern die Bedingungen ihres Wirkens gegeben sind.

In der Zukunft liegt nicht ein idyllisches Dasein des Menschen, sondern der Freiheitsgewinn durch Streben nach Erweiterung von Wissen und Erfahrung mit wenigstens folgenden Schwerpunkten:

  • Die Nutzung der Natur unter Berücksichtigung der Erhaltung der Natur in ihrer Vielfalt. Damit ändern sich der Zweck und die Ausrichtung der menschlichen Tätigkeit. Die Erde als Ganzes ist so die Heimat des Menschen, um die er sich sorgt und die er hegt.
  • Das Nationale als Form des Subjektseins von großen Menschengruppen. Die Verachtung des Nationalen in der neueren Geschichte ist ein Symptom der westlichen Endzeit. Sein Wiederaufleben vollzieht sich weltweit. Es ist eine zwingende Bedingung für den Erhalt von Kulturen und für das Überleben von Völkern.
  • Die freie Individualität und Entfaltung für jeden als gesellschaftlicher Organisationszweck. Ihre Ausbildung ist der sensible Gradmesser empfundener Freiheit und notwendiger Kreativität.
  • Der technische Fortschritt als Fundament des gesellschaftlichen Fortschritts. Er bringt neue Probleme aber auch deren Lösung. Der Mensch ist hierbei gefordert, einen menschenwürdigen und moralisch einwandfreien Gebrauch von den neuen Techniken zu machen. Er ist die fortschreitende Aneignung der Naturgesetze durch den Menschen.

In einer Demokratie gibt es keine Ausgrenzung, wie auch immer sie begründet wird. Ausgrenzung, dieses oft benutzte Mittel heutiger Politik, widerspricht dem Geist der Demokratie. Sie bedeutet Verlust an Information, schafft Spannungen und schürt Konflikte. Vielmehr gilt: Je mehr Menschen sich einbringen, umso besser die Lösung für alle. Daher gilt der Grundsatz: Jeder hat die Pflicht, seine Meinung zu äußern, niemand hat das Recht, sich der Kritik zu entziehen. Das gilt für den Einzelnen wie für Gemeinschaften, für Völker und Staaten.