Nigel Farage vor dem EU-Parlament: »Jetzt ist Ihnen das Lachen vergangen, stimmt’s?«

Veröffentlicht von: N8Waechteram: in: Deutschland, EM, Finanzen & Wirtschaft, Europa, Geschichte, Medien & Propaganda, Recht, Systemkrise, Übersetzungen, Videos, Weltgeschehen

Nigel Farage von der UKIP spricht vor dem EU-Parlament. Man mag über Farage und seine Rolle in dem aktuell laufenden Theater-Stück denken, was man will, doch er bringt hier einige Dinge sehr treffend auf den Punkt und für Beobachter des aktuellen politischen Schauspiels ist das was er sagt bisweilen ausgesprochen erheiternd.

Hier die Transkription seines Vortrags:


»Guten Morgen. [Zwischenrufe: »Get out, get out…«] Ist es nicht lustig? [weitere Unruhe] Vielen Dank für den warmen Empfang. [Martin Schulz mahnt die Parlamentarier zur Ruhe]

Nun, danke Herr Schulz. Ist es nicht lustig? Wissen Sie, als ich vor 17 Jahren hier herkam und sagte, dass ich die Kampagne für den Austritt Großbritanniens aus der EU anführen werde, haben Sie mich alle ausgelacht. Nun, ich muss sagen, jetzt ist Ihnen das Lachen vergangen, stimmt’s?

Und der Grund, warum Sie aufgebracht sind, der Grund, warum Sie so verärgert sind, ist angesichts des ganzen ungehaltenen Austauschs an diesem Morgen vollkommen klar. Sie, als politischen Projekt, verschließen die Augen vor der Wahrheit.

Sie wollen nicht wahrhaben, dass Ihre Währung scheitert. [erneute Unruhe] Nein, schauen Sie nur die Mittelmeerländer an. In Form einer Politik, Griechenland und dem Rest des Mittelmeerraums Armut aufzuerlegen, haben Sie gute Arbeit geleistet.

Und Sie wollen nicht wahrhaben, dass Frau Merkels Aufruf vom vergangenen Jahr, so viele Menschen wie möglich das Mittelmeer hinein in die Europäische Union überqueren zu lassen, zu massiven Zerwürfnissen zwischen Ländern und innerhalb der Länder geführt hat.

Ihr größtes Problem jedoch und der Hauptgrund, warum das Vereinigte Königreich sich so entschieden hat, ist dass Sie durch List, durch Täuschung, ohne jemals dem britischen Volk oder dem Rest der Völker Europas die Wahrheit zu sagen, ihnen eine politische Union aufgedrängt haben.

Und als sich die Menschen in den Niederlanden und Frankreich 2005 gegen diese politische Union entschieden haben, als sie die Verfassung zurückgewiesen haben, da haben Sie sie einfach ignoriert und haben den Lissabonner Vertrag durch die Hintertür eingebracht.

Was vergangenen Donnerstag geschehen ist, war ein bemerkenswertes Ergebnis. Es war in der Tat ein seismisches Ergebnis, nicht nur für die britische Politik, für die europäische Politik, sondern vielleicht auch für die globale Politik. Denn was die kleinen Leute gemacht haben, was die normalen Leute gemacht haben, was die Menschen gemacht haben, die in den vergangenen paar Jahren unterdrückt wurden und die beobachten mussten, wie ihr Lebensstandard gefallen ist: sie haben sich gegen die Multinationalen ausgesprochen.

Sie haben sich gegen die Geschäftsbanken ausgesprochen.
Sie haben sich gegen die große Politik ausgesprochen und gesagt: “Wir wollen unser Land zurück. Wir wollen unsere Fischereigewässer zurück. Wir wollen unsere Grenzen zurück. Wir wollen eine unabhängige, selbstregierte, noble Nation sein.“

Das haben wir gemacht und das ist, was geschehen muss.

Und auf diesem Weg bieten wir jetzt ein Zeichen der Hoffnung für die Demokraten im Rest des europäischen Kontinents. Heute früh sage ich eine Sache voraus: das Vereinigte Königreich wird nicht der letzte Mitgliedsstaat sein, der die Europäische Union verlässt.

Die Frage lautet jetzt also: was machen wir als Nächstes?

Die britische Regierung muss sich nun auf Artikel 50 berufen und ich muss sagen, dass ich nicht denke, dass wir damit allzu lange warten sollten. Ich bin da vollkommen einig mit Herrn Juncker, das britische Volk hat entschieden und wir müssen sicherstellen, dass es auch geschieht.

Was ich allerdings gerne sehen würde, ist eine erwachsene und vernünftige Attitüde darüber, wie wir über eine veränderte Beziehung verhandeln.

Nun weiß ich, dass praktisch keiner von Ihnen in seinem Leben jemals einer ordentlichen Arbeit nachgegangen ist oder in einem Geschäftsbetrieb oder im Handel gearbeitet hat oder tatsächlich jemals einen Arbeitsplatz geschaffen hat. Aber hören Sie zu…

[Aufruhr und Zwischenrufe, gestoppt von Herrn Schulz mit dem Hinweis, dass sich sonst die UKIP so benimmt und die Parlamentarier diese nicht nachahmen sollen. Weiter könne Farage nicht behaupten, dass niemand jemals einer geregelten Arbeit nachgegangen sei.]

Nein, Sie haben durchaus Recht, Herr Schulz. Die UKIP protestierte stets gegen das Establishment und jetzt protestiert das Establishment gegen UKIP. Irgendwas ist hier also passiert.

Jetzt hören Sie sich ein wenig simple, pragmatische Wirtschaftswissenschaft an. Zwischen Ihrem Land und meinem Land betreiben wir ein enormes Maß an Geschäften mit Gütern und Dienstleistungen. Dieser Handel ist für beide Seiten von Vorteil, dieser Handel hat Bedeutung.

Falls Sie sich dazu entschließen würden, jeden Gedanken an einem vernünftiges Handelsabkommen abzulehnen, dann wären die Konsequenzen für Sie weit schlimmer, als sie es für uns wären. [Gelächter] Selbst kein Abkommen ist besser für das Vereinigte Königreich, als das derzeit bestehende faulige Abkommen.

Wenn wir jedoch in eine Position geraten, in der Zölle auf Produkte wie PKWs wiedereingeführt werden, dann würde für Hunderttausende deutsche Arbeiter das Risiko bestehen, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren. Warum sind wir also nicht einfach nur pragmatisch, vernünftig, erwachsen, realistisch und beschließen untereinander ein vernünftiges zollfreies Abkommen und Sie erkennen im Anschluss daran an, dass das Vereinigte Königreich Ihr Freund sein wird, dass wir mit Ihnen handeln, mit Ihnen kooperieren und Ihre weltbesten Freunde sein werden.

Tun Sie das, machen Sie es mit Vernunft und erlauben Sie uns, unsere globalen Ambitionen und unsere globale Zukunft zu verfolgen. Danke.«

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