Südtirol – Gebt Freiheit, Sire!

Veröffentlicht im Mai 2016  von Helmut Müller

Tirol du sud – donnez  liberté, Sire! South Tirol – give freedom, Sire!

Wenn Pharisäer ihrer nach Selbsteinschätzung hochedlen Empörung Luft verschaffen, ist anschließende Frischluftzufuhr  angeraten. Mit übel riechender Empörung sind diese unter anderem auch dann zur Stelle, wenn ihre  politischen oder ideologischen Gegner in Sachen Selbstbestimmung eines Volkes die Probe aufs Exempel versuchen. Etwa wenn dieselben Autonomie und direkte Demokratie zum Beispiel in Südtirol auf den Prüfstand stellen und dann wegen Negativbefund das Selbstbestimmungsrecht für die Südtiroler einfordern. Umgehend erweist sich dann, daß der einzige Beweis der Demokratie-Heuchler für die Lauterkeit ihrer Bekenntnisse einzig in ihrer Lautstärke liegt.
Da meinte ein künstlich oder sonstwie empörter Extremkraxler, mit dem Ruf nach der Tiroler Einheit zerstöre man Europa. Wie das?

Ein anderer, dieser ein rotgrünes Chamäleon in Erwartung  höherer Weihen, empfindet das Begehren der Südtiroler nach direkter Demokratie als eine EU-konforme „absurde Schnapsidee“. Dieser aus einer nostalgischen Ecke stammende Herr läßt sich augenscheinlich von vergilbten Zentralismus-Sehnsüchten leiten. Aber selbst der nicht nur  in Rom gut vernetzte Südtiroler Landeshauptmann kann sich einem solchem Begehren seines Volkes  nach mehr Freiheit nur verschließen. Muß er vielleicht, wie österreichische Spitzenpolitiker auch. „Graut“ ihnen doch – Ui-jui-jui-au-au-au! – „vor einer Wiederkehr der  Nationalstaaten“. So die Pflichtansage des Trentiner Landeshauptmannes.
Alles liebliche Töne in den Ohren der „One World“ – Strategen. Anderes wollen dieselben nicht hören. Etwa, daß sich  im Süd-Tiroler Landtag inzwischen bereits 11 von 35 Abgeordneten offen für die Selbstbestimmung des Landes aussprechen sollen. Geradezu ignoriert wird eine im März 2014  im Auftrag des Südtiroler Heimatbundes in Italien durchgeführte Umfrage der zufolge von 1012 befragten Italienern  sich 71,8 Prozent für das Selbstbestimmungsrecht der Süd-Tiroler ausgesprochen hatten. Ignoriert wird natürlich auch das in Artikel 1 der UNO-Menschenrechtspakte verbriefte  Recht auf Selbstbestimmung. Übersehen wird auch, daß selbst in Südtirol lebende Italiener bereits die Nase voll haben von Rom.

Gewiß, gewiß, dieses vielgeprüfte Land hat schon schlechtere Zeiten gesehen. Viel schlechtere, aber auch bedeutend weniger Warmduscher. Die Südtiroler Heimat überlebte nur dank  großer Kämpfer und ihrer Förderer. Zu letzteren zählte schon früh auch der Schriftsteller und spätere Emigrant Alfred Kerr. Er schrieb einst:“Das schönste Deutschland liegt am Brennerhang. Uns genommen durch Kriegsrecht, uns geblieben durch Menschenrecht. Keiner kann es entfremden, keiner darf es enteignen. Dies deutsche Sprachland; dies deutsche Weinland; dies deutsche Blumenland; dies deutsche Lichtland. Der Ruf soll ergehn: „Heraus damit! „ –  solange noch unsereins Worte hat; und eine Feder; und eine Sehnsucht; und einen Willen.“*

Das war Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Und heute? Heute lobt man mancherorts das Unrecht und die Unterdrückung. Besonders wenn es das Eigene und ganz allgemein das Deutsche betrifft. Könnte ja die verordnete „Harmonie“ in der EU stören, dieselbe sich ja gerade, sehr „friedensstiftend“ natürlich, bemüht, im Schlepptau der Globalisten gegen den Mehrheitswillen allerlei Buntes und Vermischtes zu implantieren und neue Kriege, auch Bürgerkriege,  zu ermöglichen. Doch in Südtirol könnte wider alle grauslichen Quertreibereien etwas gelingen, was richtungsweisend für ein friedliches Europa in Einheit und Vielfalt werden könnte. Wenn nur die Sehnsucht und der Wille noch vorhanden sind.

*Alfred Kerr: „Es sei wie es wolle, Es war doch so schön!“ (S.Fischer-Verlag, 1928)

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