Technik – Wegbereiter der Zukunft

Johannes Hertrampf – 10.01.2018

Mit der Digitalisierung der Information beginnt eine höhere Stufe der Informiertheit der Menschen. Der Zugang zu neuen Informationen wird erleichtert, die Informationen stehen schneller zur Verfügung und es beginnt die Informationsverarbeitung in unbelebten Systemen. Der Mensch kann mit jedem anderen Menschen Informationen austauschen –  und was noch nicht aktuell, aber absehbar ist, mit der ganzen belebten Natur. Informationsgewinnung, Informationsverarbeitung, Informationsspeicherung und Informationsweiterleitung sind faktisch eine virtuelle Welt für den Menschen, in der er agiert, ohne unmittelbar körperlich anwesend zu sein. Die Aufbereitung der Informationen ist eine zunehmende Bedingung für die Verarbeitung durch den Einzelnen, ansonsten entsteht das Gegenteil von Informiertheit – Informationschaos, weil die Zeichen nicht gedeutet werden können. Es reicht nicht aus, eine wachsende Fülle von Informationen über die Gesellschaft auszuschütten, die vom Einzelnen nicht mehr übersehen wird und diese Informationsflutung als Vorzug hinzustellen. Meinungsfreiheit ist nicht ein Zustand von Informationsüberflutung, sondern ist die Bereitstellung der vom Individuum benötigten, notwendigen Information – aus Sorge für seine Sicherheit und Kreativität. Meinungsfreiheit ist kein wertfreier Informationsfluss.

Das heutige intellektuelle Niveau des Menschen ist durch einen hohen Anteil an naturwissenschaftlich-  folgerichtigen Einsichten aus dem täglichen Umfeld und daraus folgenden sozialen Schlussfolgerungen gekennzeichnet. Durch die Ausstattung mit technischen Konsumgütern konturiert sich die technische Kultur, was wieder Auswirkungen auf die gesamte gesellschaftliche Kultur hat. Das gilt nicht nur für die hochentwickelten Länder des Westens, sondern auch für jene Teile der Welt, die noch vor einem halben Jahrhundert als Entwicklungsländer galten. Im Unterschied zum Hunger nach Nahrungsmitteln ist der Hunger auf technische Konsumgüter unersättlich. Die Menschen konsumieren nicht nur technische Konsumgüter, sondern werden dadurch zu aktiven Verfechtern gesellschaftlicher Wahrheit und zu aktiven Teilnehmern am internationalen Geschehen. Technische Konsumgüter haben eine hohe Kulturfunktion. Durch ihre Nutzung gewinnen die Menschen schnell an Urteilskraft. Sie verfügen dadurch über eine Urteilskraft, die der Urteilskraft in den westlichen Industriestaaten nicht nachsteht, siehe China oder Indien, teilweise diese infolge fehlender Vorbelastung überflügelt und sie zu technischen Meisterleistungen beflügelt. Die Spaltung der Welt in einen technisch und kulturell fortgeschrittenen und in einen technisch zurückgebliebenen Teil, ein Resultat des europäischen Kolonialismus, wird sukzessive überwunden. Mit hohem Tempo schließen die ehemals unterdrückten Länder die Rückstände auf und vollbringen Leistungen, die von den westlichen Ländern als Herausforderungen und Bedrohungen empfunden werden. Diese Interpretation offenbart ihre Einstellung. Sie können nicht anders als in den Kategorien der Vergangenheit denken. Vielmehr gilt: Technischer Fortschritt und steigende Wirtschaftskraft sind die stärksten Mittel für das Entstehen friedlicher Bindungen zwischen den Völkern. Kriege, Sanktionen und neue Blockbildungen sind dagegen in jeder Hinsicht schädlich für die Heilung der Wunden aus der Vergangenheit und den Weg in eine gemeinsame Zukunft.

Überall auf der Welt rütteln die Menschen am Tor der Zukunft und begehren Zutritt, unabhängig von Vorgeschichte, Hautfarbe, und religiösem Bekenntnis. Diese Gemeinsamkeit der Zukunft muss gestärkt werden, denn es gibt nur eine Zukunft für alle, es gibt keine von Natur aus privilegierten und benachteiligten Menschen.

Die Unterschiedlichkeit ist kein Grund für eine Wertespaltung und Gegensätzlichkeit, sondern für fortschreitende Verbundenheit. Die Völker in der westlichen Welt haben mit allen Völkern eine Zukunft, eine natürliche Verpflichtung und einen gemeinsamen Lebenssinn und müssen daher allen Zwiespälten und Verfeindungen widerstehen, die von den Politikern der alten Welt angezettelt werden. In dieser Hinsicht tragen die Völker der westlichen Welt eine besondere Verantwortung.

Die westlichen Politiker anerkennen nicht, was die Völker wollen. Sie stellen sich taub zur Kritik an der westlichen Demokratie und bestreiten ihre betrügerischen Absichten. Sie halten es, trotz aller gegenteiligen Erfahrungen für möglich, das weltweit zunehmende Bedürfnis nach individueller Teilhabe an der Gestaltung der Lebensverhältnisse aufzuhalten. Sie verleugnen die objektiven Gründe für diese Bedürfnisse. Sie halten an der Wahnidee fest, dass sie ihre Interessen beliebig durchsetzen können. Es ist eben kein allgemeines Gesetz, dass alle Völker über die westliche Demokratie den Weg in die Zukunft gehen müssen. Eine westliche Weltherrschaft ist keine neue Ära der Menschheit. Deshalb ist es falsch, diese wie ein Exportprodukt in alle Teile der Welt zu schaffen und mit Korruption, militärischer Intervention durchzudrücken, abgesehen davon, dass diese selbst in den westlichen Ländern auf zunehmende Ablehnung stößt – und damit herumzutönen, dass sie Entwicklungshilfe leisten.

Die westlichen Länder sind selbst hilfsbedürftig, sie haben keine zeitgemäßen Ideen mehr. Seit hundert Jahren produzieren sie nur Trugbilder. Das Zwanzigste Jahrhundert hat die Hinfälligkeit der Zivilisation bewiesen. Sie haben nichts gelernt. Sie sind nach wie vor empfänglich für gewalttätige Ideen. Wer hätte  gedacht, dass zu Beginn des Einundzwanzigsten Jahrhunderts der Neokolonialismus in Westeuropa eine solche Auferstehung feiert, unter dem Beifall von Links und Rechts? Die Migration aus den armen in die reichen Länder ist eine Schande der Zivilisation, weil sie eine Vertreibung ist. Die westliche Welt kann den Weg zur Erneuerung allein nicht finden. Sie genießt kein Ansehen bei den Völkern, denn sie steht für Gewalt und Lüge in der Politik.

Eine Neuausrichtung der Politik ist auf Grund der stürmischen technischen Entwicklung unausbleiblich. Die alte Politikergeneration, die maßgeblich den derzeitigen desolaten Gesellschaftszustand zu verantworten hat,  ist erschöpft. Sie kann keine starken, motivierenden Ideen hervorbringen. Sie ist ausgezehrt vom Thema Kapitalismus – Kommunismus und steht heute fassungslos vor einer Welt, die sich von ihnen abwendet. Und die nachwachsende neue Politikergeneration ist unsicher. Für sie ist dieses Thema abgehakt. Sie ist durch die Schule der „Alten“ gegangen, aber nicht von ihnen überzeugt. Ihr fehlt der Mut zu einem Neuanfang und die Fähigkeit, die Maximen der „Alten“, zu der auch Merkel gehört, ohne Rücksicht und Respekt zu zerpflücken. Sie erlebt den zunehmenden Einfluss der Technik auf die Gesellschaft, beugt sich aber  dem Druck der „Alten“, am alten Politik-Schema festzuhalten. Deshalb gerät sie unter die Räder. Sie macht erst einmal weiter mit Parteiengezänk, anstatt sic offen und frei auf die Seite der Bürger zu stellen und die alte Kamarilla von der Bühne zu schieben. Sie spürt ihre Ohnmacht, ist sich aber nicht über ihr eigenes Verschuldens im Klaren, weil sie das althergebrachte politische Werteschema nicht ablegt. Das wird zum einen deutlich in den regelmäßigen obligatorischen Anfeindungen und Abgrenzungen gegenüber der AfD und zum anderen in der permanenten Diskreditierung von D. Trump. Wer sich so festlegt, geht an der Leine.

Obwohl sich ringsum in Europa das nationale Interesse zu Wort meldet, in Deutschland ist es verpönt, das Wort in den Mund zu nehmen. Der Hauptgrund dafür ist die Stigmatisierung der Nationalidee durch weltfremde Dogmatiker als nationalsozialistische Ideologie, anstatt sie heute als Gegengewicht gegen den Wahn einer finanz-basierten Weltherrschaft zu begreifen. Neue Politik braucht ein anderes Weltbild, eine andere Geschichtsinterpretation. Sie muss den Mut haben, demonstrativ den Wortführern der bisherigen Politik die Stirn zu bieten.

Die Zeit utopischer Leitbilder ist vorbei. Die utopischen Gesellschaftsbilder waren nicht wirklich gesellschaftliche Gegenentwürfe, weil ihnen die objektive Notwendigkeit fehlte. Utopien sind Wunschdenken, sie fußen auf dem Willen des Menschen, nicht auf den technisch genutzten Naturgesetzen und den von ihnen ausgehenden gesellschaftlichen Konsequenzen. Die Utopie ist ein Trugbild, insofern sie nur das Unangenehme weglässt. Ihr liegt ein starker Wunsch zu Grunde, also eine menschliche Empfindung als Handlungszweck. Doch Glaube versetzt eben keine Berge, daher scheiterten die Utopien an der Wirklichkeit.

Die Zukunft beginnt in der Gegenwart, sie ist das, was im Alltag unter anderem erscheint und schließlich die Änderung der gesellschaftlichen Zustände in Gang bringt und künftig das Bild bestimmen wird. Die Technik erzwingt ein Handlungsgefüge, vermittelt gemeinsame Erfahrungen und verändert das Wertesystem des Menschen. Sie gibt die sichere Zuversicht dafür, dass ihr Fortschritt unabwendbar die Gesellschaft verändert.  Deshalb sollte der technische Fortschritt ein zentrales Thema politischer Opposition sein. Das bedeutet heute: mehr Automation, mehr Digitalisierung menschlicher Lebensbedingungen. Wer das tut, ist ein wirklicher Revolutionär. Technischer Fortschritt liegt nicht bloß im Interesse des Unternehmers. Und dem Bürger ist es keineswegs gleichgültig, wie der gesellschaftliche Reichtum zustande kommt und verteilt wird. Der Kampf für soziale Gerechtigkeit wird damit nicht überflüssig, er rationalisiert den Weg in die Zukunft. Beide Ziele zusammengenommen bilden eine Einheit, liegen im Interesse des Volkes.

Wer sich um die Zukunft sorgt, muss sich um Kräfte und Prozesse kümmern, von denen starke irreversible Impulse für gesellschaftliche Veränderungen ausgehen. Das gilt für die gesellschaftliche Umverteilung und für die Einführung technischer Innovationen im Arbeits- und Lebensalltag. Wo steht Deutschland heute beim Gebrauch der neuesten Techniken? Das technisch-kulturelle Niveau ist ein Schwerpunkt der Sozialpolitik.

Wie soll Gesellschaft beschaffen sein, damit Deutschland ein Land mit großer Innovationskraft wird? Von wem müssen die Steuerimpulse ausgehen? Sollten die Menschen selbst Auftraggeber werden oder sollen sie sie sich weiter vom Unternehmer, dem Handel und der Werbeindustrie leiten lassen? Wie können sie ihre individuellen Bedürfnisse anmelden, damit sie als Aufgaben von den Ingenieuren gelöst werden?

Wer steuert die Wirtschaft? Diese Frage gewinnt an Bedeutung, denn sie beantwortet die Frage „Quo vadis“ Technik. Das Profitinteresse oder der bedürftige Mensch? Welche neuen Bedürfnisse haben die Menschen? Welche Rolle spielt der Staat bei der Bedürfniserkundung? Wie bringt er dieses Wissen in die Wirtschaftspolitik ein? Der Staat kann sich nicht einfach auf den profitorientierten Unternehmer verlassen. Geld verdienen kann man auf unterschiedlichsten Wegen. Das Ziel muss sein, dass derjenige das meiste Geld verdient, der die Bedürfnisse der Menschen stimuliert und befriedigt. Der Staat hat sich immer um die Rahmenbedingungen für die Erfüllung der Grundbedürfnisse seiner Bürger zu kümmern: Sicherheit, Bildung, Gesundheit, Lebenserfüllung. Inwieweit diese vom Einzelnen genutzt werden, hängt dann weitgehend von ihm ab und der Staat hätte dabei überhaupt nichts zu suchen. Aber die Grundbedürfnisse sind konkret. Die Herstellung muss der Individualität gerechter werden.

Die Bürger sollen die Nutznießer des Staates sein. Nach ihren Vorgaben sind die Rahmenbedingungen zu bestimmen. Ein Selbstlauf des Staates kann nicht zugelassen werden. Die Bürger haben die Pflicht, den Staat entsprechend ihrer Interessen zu kontrollieren und zu korrigieren. Dieses Recht resultiert aus dem Naturrecht der Volkssouveränität. Dort, wo der Staat sich der Souveränität entzieht, verliert er seine Berechtigung und der Bürger muss die Ordnung wieder herstellen. Deshalb ist auch die mitunter geäußerte Vorstellung, der Automat könnte eines Tages den Menschen beherrschen, sinnlos. Dort, wo sich das andeutet, steht mit Sicherheit einer dahinter, der das will. Das Volk muss Impulsgeber und Kontrolleur der Rahmenbedingungen des Staates bleiben. Ebenso abwegig ist die Ansicht, dass Expertengruppen die Rahmenbedingungen des Staates bestimmen können. Expertengruppen vertreten nicht automatisch die Ansicht des Volkes. Dessen Bedürfnisse können nicht von anderen bestimmt werden, sonst liegt wieder eine Fremdbestimmung vor.

Der Mensch definiert sich durch seine Wechselwirkung mit anderen Naturwesen. Diese Wechselwirkung ist sein Leben. Um sein Leben sinnerfüllt zu führen, muss er seine Beziehungen zu den anderen Naturwesen so gestalten, dass diese bestmöglich ihre Wechselwirkungen selbstbestimmt gestalten können. Er greift also in das Gefüge der Natur ein, um seine Individualität und die der anderen Naturwesen zum Wirken zu bringen.  Wenn er das tut, wirkt er in dem von ihm erreichbaren Naturbereich harmonisierend. Und diese Grenze ist abgesteckt durch sein technisches Vermögen. Das verdeutlicht die Rolle der Technik in seinem Leben. Diese Worte mögen als Richtungsbestimmung seines Wirkens ausreichen, eine Richtungsbestimmung, auf der neuen technischen Stufe, der Digitalisierung, die erstmals möglich wird und werden muss, wenn technischer Fortschritt nicht zur Selbstauslöschung des Menschen führen soll.

Die Sinnerfüllung des menschlichen Lebens wird durch den genannten Zweck des Menschen determiniert. Unter dieser Voraussetzung ist auch das menschliche Glück zu sehen. Es beruht weitgehend in der Ausrichtung seines Wirkens auf die Harmonisierung der ihn umgebenden, lebenden Naturwesen. Das bedeutet, die Beziehung des Einen zum Anderen ist geprägt durch die Dienstbarkeit des Einen am Anderen. Es kann also nicht so sein, dass der Andere dem Einen nur zweckdienlich ist. Das würde eine Harmonie unmöglich machen. Der schlesische Dichter und Philosoph Angelus Silesius brachte das sehr schön zum Ausdruck:

Der Regen fällt nicht ihm, die Sonne scheint nicht ihr:

Du auch bist andern geschaffen und nicht dir.

In dieser Wechselwirkung von Geben und Nehmen liegt der Weg zur Harmonie als besonderer Fall von Wechselwirkung. Je mehr der Gebende in seiner Individualität wirkt, desto befreiender ist die Gabe für den Nehmenden und desto fester seine Bindung an den Gebenden.

Das menschliche Glück beruht nicht auf dem sinnlichen Genuss. Zwischen Glück und sinnlichem Genuss muss unterschieden werden. Das Glück ist das Bewusstsein der Erfüllung des menschlichen Zwecks. Der sinnliche Genuss ist die einfache Bestätigung der Anwesenheit im realen Dasein. Insofern trennt der Verstand das Glück vom sinnlichen Genuss. Der Mensch strebt Zeit seines Lebens nach dem Glückserleben auf Grund seiner kreativen Fähigkeiten, ein Ziel sich stellen und erreichen. Verliert er das Glückserleben aus den Augen, ist sein Leben am Ende sinnlos, unerfüllt. Der sinnliche Genuss kann das Glückserleben nicht kompensieren. In der Zivilisation kommt der Mensch überhaupt nicht zu sich, von der hässlichen Wirklichkeit stolpert er in eine ebenfalls von den Herrschenden bestimmte „schöne“,  Wirklichkeit, in der seine sinnliche Genussfähigkeit befriedigt wird. Das ist die vorherrschende Situation in der ganzen Zivilisation – der Sinnenrausch als Ersatz wirklichen Glückserlebnisses, der zur Frustration führt. Insofern stimmt der Gedanke von Marx nicht: „Der Arbeiter fühlt sich daher erst außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Hans“. Der Arbeiter kann auch während seiner Freizeit der Herrschaftsgesellschaft nicht entfliehen. Sie hat vorgesorgt. Er geht in ihre Einrichtungen, Kirchen und Kinos, schickt seine Kinder in ihre Schulen, er liest ihre Zeitungen und sieht ihre Fernsehsendungen, alles unter der Vorgabe, seine Lage als unveränderbar  hinzunehmen. Diese Absicht beschränkt sich nicht auf den Arbeiter, sondern richtet sich auf alle Bürger, so dass sich die Herrschenden einer demokratischen Opposition gegenüber sehen.

Insofern sind auch alle Utopien verwerflich, da sie nicht der natürlichen Bestimmung des Menschen entsprachen. Auch am Ausgang der Zivilisation hat sich daran nichts geändert. Und damit diese Entartung des Menschen legalisiert erscheint, muss die Unantastbarkeit der persönlichen Freiheit herhalten, der Selbstgenügsamkeit Berechtigung zu verschaffen. Aber an diesem „Glück“ nagt der Zweifel, bis eines Tages die Einsicht kommt: Ein glückerfülltes Leben war das nicht. Aber diese Enttäuschung liegt außerhalb des pragmatischen Interesses der Herrschenden. Die Befindlichkeit des Beherrschten ist ihnen egal.

Die technische Revolution eröffnet dem Menschen eine virtuelle Welt und gibt ihm dadurch mehr  Gestaltungskraft der Wirklichkeit. Aber die technische Revolution gibt ihm auch die Zeit, sich dieser neuen Aufgabe zu widmen. Sie erzeugt einen Freisetzungseffekt an Arbeitszeit wie zu keiner Zeit zuvor. Man kann sagen, dass diese Tatsache von den heute Herrschenden nicht begriffen wird, weil sie diesen Vorgang nicht als eine allgemeine Bedingung des Menschheitsfortschritts verstehen, sondern als lästigen Begleitumstand der Gegenwart betrachten. Sie können mit der freigesetzten Zeit nichts anderes anfangen, als sie HARTZIV zu-zuordnen. Für sie ist nur die eingesparte Zeit interessant, nicht die frei gesetzte. Sie bringt keinen Nutzen, sondern nur neue Probleme. Freisetzung war aber immer Folge von Technikfortschritt und damit ein Faktor für Kulturfortschritt. Freisetzung bedeutet nicht Übergang in Nichtarbeit, sondern ermöglicht Strukturwandel der Arbeit, Ablösung einer Art von Tätigkeit durch eine andere. Doch das sind Dinge, die nur von Machterhalt und Profit ablenken.

Werfen wir abschließend einen Blick darauf, wie das Verhältnis von Technik und Gesellschaft von zwei Experten gesehen wird. FOCUS Online brachte zum Jahresausklang am 31.12.2017 eine Prognose von Matthias Weik und Marc Friedrich, zwei studierten Ökonomen und Bestseller- Autoren, z. B. „Der Crash ist die Lösung“. Unter der Überschrift „Wir werden alle arbeitslos“ stellen sie acht Thesen zur Wirtschaftsentwicklung Deutschlands auf.  FOCUS Online provoziert mit der Überschrift: „Wir werden alle arbeitslos!“

  1. These: Industrie 4.0 und Digitalisierung. Früher erlebte man in seinem Leben eine Welt – heute sind es drei, vier vielleicht sogar fünf Welten in einem Leben. Uns allen sollte bewusst sein, dass wir uns bereits mitten in der nächsten großen Industrialisierung – der Digitalisierung – befinden. Eine Industrialisierung, welche ebenso extreme Auswirkung auf unser Leben haben wird, wie die vor knapp 250 Jahren. Unser Kommentar: Die Autoren stellen fest, dass sich in Deutschland eine technische Umwälzung vollzieht, die ebenso extreme Auswirkungen haben wird, wie die Industrieelle Revolution. Hier kann man entgegnen, dass die Auswirkungen der heute einsetzenden Umwälzung die industriellen Revolution übertreffen werden, weil die physischen und geistigen Kräfte des Menschen nicht mehr unmittelbar den technischen Prozess begrenzen, so dass von dieser Seite her der technische Prozess nicht begrenzt ist. Es klingt immer gut, wenn man feststellt, dass viel Zeit verschlafen wurde. Aber das reicht nicht aus. Man muss fragen, womit wurde die Zeit verschlafen? Anstatt sich voll auf die Automatisierung zu konzentrieren, wurden billige Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben und wurde dadurch die Automatisierung als die technische Lösung unterbewertet. Doch genau diesen Fehler wiederholt man derzeit, wenn die Einwanderer als willkommene Arbeitskräfte umworben werden.
  2. These: Wir werden fast alle arbeitslos. Die Industrie 4.0 und die Digitalisierung wird unsere Wirtschafts- und Arbeitswelt komplett auf den Kopf stellen und für viele Menschen zu kaum vorstellbaren Veränderungen führen. Bereits heute ist in unserer globalisierten Welt Humankapital (Arbeitskräfte) im Überfluss vorhanden. Es herrscht global ein massives Überangebot, insbesondere an ungelernten, niedrig- und mittel-qualifizierten Arbeitskräften. Unser Kommentar: Die Autoren erwecken den Eindruck, als bringe der technische Fortschritt wie die apokalyptischen Reiter das Übel über die Welt. Sie fragen nicht nach den Ursachen und erzeugen damit ein dumpfes Angstgefühl vor der Zukunft. Schon in der Gegenwart versagt die Bildungspolitik. Sie ist unfähig, prognostisch den Lehrerbedarf zu ermitteln. Das Bildungssystem ist eine staatliche Aufgabe, das nicht auf die Schulbildung und auf die Berufsausbildung reduziert werden darf. Gemeint ist hier ein umfassendes Volksbildungssystem, welches die Menschen vorbereitet, erfolgreich an dem technischen und geistig-kulturellen Fortschritt mitzuarbeiten, sonst entwickeln sich enorme Konfliktherde, wie sie sich in der Rebellion der Jugend gegen die westliche Welt äußern. Das Bildungssystem muss als umfassendes Volksbildungssystem verstanden werden.
  3. These: Deutsche Wirtschaft – uninteressant für die Big Player aus den USA. Bald wird manch einem Banker klar werden, dass er die Digitalisierung und die für das Finanzwesen extrem zukunftsträchtige Blockchaintechnologie komplett verschlafen oder noch schlimmer ignoriert hat. Banken wie wir sie heute kennen werden in der Zukunft nicht mehr existieren. Es ist an der Zeit, dass wir in Deutschland schleunigst von unserem hohen Ross herabsteigen und der Realität ins Auge blicken. Unser Kommentar: Mit dem Rückgang des Innovationspotentials sinkt natürlich das Interesse an internationaler Kooperation. Wenn die deutsche Wirtschaft mehr als bisher auf Innovation setzen sollte, dann allerdings nicht, um amerikanischen Gelüsten nachzukommen, sondern aus dem verständlichen Interesse des deutschen Volkes an einer gesunden prosperierenden Volkswirtschaft.
  4. These: Wir alle müssen neu denken! Wir plädieren für die Abschaffung des Berufspolitikertums und für Politiker und Parteien, die nicht in Schubladen denken und ihren jeweiligen Ideologien verhaftet sind, sondern im Sinne der Menschen agieren und den Puls der Zeit erkennen. – Jetzt müssen zig Milliarden Euros in den Ausbau schnellen Internets sowie in Universitäten und Forschungszentren in Wirtschaftszentren wie München, Stuttgart, Frankfurt gepumpt werden. Unser Kommentar: Das sind Appelle an die Politiker, haben aber keine Wirkungen. Da sagen diese nur: „Jeder kann seine Meinung sagen, aber entscheiden tun wir.“ Die Autoren fordern ein Umdenken. Das wird aber nicht eintreten, solange die Altparteien das Ruder in den Händen halten, denn sie kennen nur den Machtkampf, Raffgier, Zerstörung. Jüngstes Beispiel sind die Koalitionsgespräche zwischen des Wahlverlierern CDU/CSU und SPD. Das Ziel muss sein, anstelle von Parteivertretungen echte Volksvertretungen zu schaffen und einen fachkundigen Staatsapparat, schlank und korrekt. Wenn dieser dafür sorgt, dass die Aufträge des Parlaments umgesetzt werden, dann sind die Politiker überflüssig, denn sie verfälschen den Volkswillen. Und geht man einen Schritt weiter beim Umdenken: Dann ist Politik Geschichte und wird ersetzt durch Sachverwaltung.
  5. These: „Deutschland, ein Land in dem wir gut und gerne leben“ – wirklich? Unser Kommentar: Die Aussage der CDU „gut und gerne leben“ orientiert sich am materiellen Wohlstand, am Pro-Kopf-Verbrauch an Konsumgütern. Doch die Frage nach dem sinnerfüllten Leben umfasst mehr. Dazu gehören demokratische Lebensbedingungen, eine nationale Identität stiftende Lebensatmosphäre und Freiraum für Entfaltung der eigenen Individualität. Doch die CDU hat als systemtragende Partei in der Vergangenheit diese Intention nicht verfolgt. Der Reichtum der Milliardäre, das schillernde Leben der Prominenten, die Nachahmung ihres Lebensstils, ist nicht das erstrebenswerte Ziel, obwohl die Medien das den Menschen eintrichtern. Die CDU hat nach der „Wende“ ihre Version von Lebensqualität besonders in den ostdeutschen Bundesländern den Menschen aufgedrückt und wundert sich, dass sie bei Wahlen eine Klatsche nach der anderen kriegt. Die Lebenserfahrung der Menschen ist eine andere, weshalb die These vom Land, in dem wir gut und gerne leben, nicht dem Lebensgefühl der Mehrheit der Bürger entspricht. Anstatt mit den Flügeln zu flattern, ist Bestandsaufnahme angesagt.
  6. These: Steigende Altersarmut. Der Niedriglohnsektor wird weiter ansteigen. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Menschen von Altersarmut bedroht sein werden. Das Rentenniveau wird in Zukunft in Deutschland weiter sinken und für das Alter adäquat vorzusorgen wird immer schwieriger. Wir befürchten leider, dass auch in Zukunft von weiteren terroristischen Anschlägen auszugehen ist, da das Problem keineswegs gelöst wurde. Auch eine weitere Migrationswelle wird kommen. Unser Kommentar: Wenn die Autoren wenigstens einmal die Frage stellen würden, warum das Verhängnis so unabwendbar ist. Was sie hier prognostizieren, sind die Folgen Merkel´scher Regierungspolitik. Vom beschworenen Umdenken ist bei ihnen ist also keine Spur.
  7. These: Probleme durch Niedrigzinspolitik der EZB. Dank der irrsinnigen Notenbankpolitik der EZB werden einerseits die Immobilienpreise in städtischen Ballungszentren auch 2018 weiter in die Höhe gehen und Wohnen immer mehr zum Luxus. Auch der Dax wird weiter nach oben gepumpt werden. Andererseits werden die öffentlichen Abgaben für uns Bürger sowie Konto- und sonstige Bankgebühren weiter ansteigen. Banken werden mehr und mehr Filialen schließen, fusionieren oder abgewickelt werden. Unser Kommentar: Hier offenbaren die Autoren ihre Spiegelfechterei. Theatralisch werfen sie sich ins Zeug, um nicht den Faden zum Leser zu verlieren. Aber den kritischen Leser erreichen sie schon nicht mehr. Er ist ihnen längst auf die Schliche gekommen.
  8. These: Steigende Krankenkassengebühren. Auch die Krankenkassengebühren werden weiter ansteigen. In spätestens 15 Jahren wird unser Gesundheitssystem auf Grund explodierender Kosten und des immer kleiner werdenden Mittelstandes kollabieren. Unser Kommentar: Und das sind „studierte Ökonomen“ und Bestseller-Autoren. Sie sagen den Niedergang Deutschlands voraus, verschweigen aber, dass dieser nicht gesetzmäßig ist, sondern im Gegenteil gegen die geschichtliche Notwendigkeit verstößt. Dieser Niedergang ist eine Folge der politischen Stagnation in Deutschland, weil die Altparteien, allen voran die CDU/CSU mit aller Macht die Wandlung der Parteiendemokratie zur volkssouveränen Demokratie verhindern. Als Wissenschaftler müssten sie die gesellschaftliche Realität analysieren und konstruktiv Auswege aufzeigen. Aber dann hätte FOCUUS Online sie nicht abgedruckt.

 

Halten wir fest: Die Digitalisierung eröffnet dem Menschen eine neue virtuelle Welt, eine Informiertheit, die ihm ungeahnte kreative Möglichkeiten bietet. Und zugleich bringt sie einen nie dagewesenen Freisetzungseffekt hervor. Beides zusammen sind Voraussetzung für eine höhere Kulturstufe. Diese beiden Wirkungen sind objektiv und unabwendbar. Es hat keinen Zweck, sie zu ignorieren. Es kommt vielmehr darauf an, wie  man mit ihnen als fundamentalen Voraussetzungen des Kulturfortschritts umgeht, wie man so auf sie Einfluss nimmt, dass daraus ein größtmöglicher Nutzen für alle entsteht.

Die bisherige  Spontaneität des menschlichen Daseins ist künftig nicht mehr möglich. Infolge der großen Auswirkungen der Entscheidungen und des enormen Aufwandes, der für die Umsetzung der Entscheidungen erforderlich ist, entfällt der empirische Weg. Die Gesellschaft ist kein praktisches Experimentierfeld. Das verbietet die Vernunft des Menschen. Die theoretische Erkundung des Weges ist unersetzbar und ebenso die vorausgehende Überprüfung aller praktischen Entscheidungen. Die Theorie ist dazu unerlässlich, denn sie verkürzt den Suchvorgang. Ohne Theorie kann sich der Mensch angesichts der Erweiterung der Möglichkeiten nicht mehr zurechtfinden.

Noch heute verschlingen oberflächliche, schnelle Entscheidungen gewaltige materielle und geistige Ressourcen. Wieviel hätte die Menschheit gewonnen, wenn manche große Entscheidung nicht getroffen worden wäre. Die Entscheidung setzt das Recht auf Entscheidung voraus, aber auch die Fähigkeit dazu. Diese Fähigkeit ist nicht a priori gegeben, sondern beruht auf Wissen. Das gilt für parlamentarische  Beschlüsse wie auch für Volksabstimmungen. Die Sicherung der Entscheidungsfähigkeit des Volkes ist daher eine hochaktuelle Aufgabe des Staates.

Wenn eine Epoche am Ende ist, wie jetzt die westliche Zivilisation, die Ängste des Herrn Soros sind berechtigt, muss ein neues Gesellschaftsbild her und daher eine neue Theorie als geistiger Vorlauf. Es ist also nicht der Stein des Weisen, der gefunden werden muss, sondern das Zeitgemäße, das gegenwärtig Drängende muss erklärt werden.

 

Johannes Hertrampf – 10.01.2018

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