„Vor dem Hintergrund unserer Geschichte“

Veröffentlicht am Mai 9, 2016 von helmut mueller

„Dans le contexte de notre histoire „Against the background of our history“

Diesen 8. Mai beging ein Teil des  offiziellen Österreichs unter anderem  als „Tag der Freude“. Es hätte auch ein Tag der Trauer sein können. Oder, der Wahrheit näher, beides gleichzeitig, wenn, ja wenn die wahre politische Macht im eigenen Lande liegen würde. Doch Vasallen sind zwecks Erhalts der ihnen geliehenen Macht einzig und allein darauf fixiert, vor dem viel zitierten Hintergrund einer auf sieben bzw. zwölf Jahre reduzierten Geschichte, das ihnen anvertraute Volk mit schlechtem Gewissen weiter zu belasten und jede  patriotische Erhebung im Keim zu unterdrücken.

Der obligate Sager  der politisch Korrekten  „Vor dem Hintergrund unserer Geschichte“ scheint dabei alles rechtfertigen zu können. Vor allem, wenn es der Karriere, der  jeweiligen Stellung oder dem Geschäft dient. Dass im Zuge dessen eines der Grundrechte, das Recht auf freie Meinungsäußerung* bewusst- ignoriert oder mit Strafe bedroht  wird, treibt logischerweise keinem einzigen der betroffenen Politiker die Schamröte ins Gesicht. Dazu kommt, dass die Opportunisten unter ihnen vielfach keine persönliche Gesinnung, sondern bloß jene einer Lobby oder Parteiführung vorzuweisen haben.

So konnte auch diesen 8.Mai wieder die  übliche, einem dogmatischen „Absolutismus des Geschichtsverständnisses“ (Ernst Nolte)  zugrunde liegende Ungleichbehandlung (der Opfer) festgestellt werden. Nicht ohne Schützenhilfe dozierender Geschichte- und Geschichtenerzähler, die sich weder durch Unbestechlichkeit der Erkenntnis noch durch versöhnende Arbeit auszeichnen, umso mehr aber Ankläger spielen und, nicht überraschend, extreme Scheu vor der vollen Wahrheit an den Tag legen.

Dank ihnen und eines Großteils der  „Qualitätsmedien“ und Staatspädagogen weiß besonders die junge Generation noch immer zu wenig oder gar nichts vom Bombenterror, dem „geplanten Tod“ oder der „verschwiegenen Schuld“ ** der Besatzer und auch nichts oder wenig vom wahren Ausmaß der Vertreibung (beim Flagellanten Weizsäcker bloß „erzwungene Wanderschaft“),  vom „Töten auf Tschechisch“***  und ähnlichen Begebenheiten, wovon uns ein  ehemaliger KZ-Insasse, der ungarische Halbjude Sandor Kovacs,  eine zu schildern wusste.

Kovacs  in Ingomar Pusts Buch „Schreie aus der Hölle ungehört“ (Kopp-Verlag): „Als ich im Mai 1945 auf dem Rückmarsch in meine Heimat in Prag vom Ausbruch des tschechischen Wahnsinns überrascht wurde, erlebte ich ein Inferno menschlicher Armseligkeit und moralischer Tiefe, gegen das meine KZ-Zeit fast eine Erholung gewesen war. Frauen und Kinder wurden bei lebendigem Leib mit Petroleum übergossen und angezündet, Männer unter unvorstellbaren Qualen ermordet. Dabei musste ich ausdrücklich feststellen, dass sich die gesamte Bevölkerung an diesem Verbrechen beteiligte, nicht nur der übliche Mob. Ich fürchtete mich vor einem deutschen Wiedererwachen. Denn was den Deutschen geschah, ist unbeschreiblich!“

Aber, so meine ich, wir kennen auch kein Volk, dass Freud und Leid anderer Völker wie diejenigen seines eigenen empfindet. Daher ist diese Furcht vor einem deutschen Wiedererwachen alten Musters unbegründet. Ja, es sind schreckliche Verbrechen in diesem Zweiten Weltkrieg geschehen, auf beiden Seiten. Aber warum müssen gerade  die Deutschen als einzige seit sieben Jahrzehnten dem Flagellantentum frönen? Dabei stehen wir in Europa längst vor Problemen, die mit der Festschreibung der sich als  nutzlos erwiesenen „Niemals wieder“ und „Niemals vergessen“ nicht zu lösen sind und neue Gewalt nicht verhindern.

Noch  funktioniert die organisierte Gedankenkontrolle der Beherrschten. Aber letzten Endes  sind ständige Ermahnungen und Abschreckung, wovor immer,  keine Erziehungsmittel. Diese büßen ihre Wirksamkeit nach und nach ein. Davon abgesehen, lässt sich die Masse der Zugewanderten damit am wenigsten beeindrucken. Die ganze Wahrheit wird sich also eines Tages ja doch bis in die noch immer breite deutsche Masse hinein durchzusetzen wissen.

Alles Wesentliche und Bedeutende, was in einer mehr als tausendjährigen Geschichte enthalten ist, tritt dann hinzu. Und führt früher oder später im Rahmen eines neuen gesamteuropäischen Ausgleichs- und Verständigungssystems zu neuen Einsichten und Bekenntnissen. Nicht zuletzt zu ausgewogeneren, der ganzen Geschichte gerecht werdenden 8.Mai-Gedenken, so hoffe ich.

*Die Freiheit der Meinungsäußerung ist eine der wesentlichen Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft und eine der Grundvoraussetzungen für ihren Fortschritt und für jede Selbstverwirklichung des Individuums. Dabei geht es nicht nur um „Information“ oder „Ideen“, die positiv aufgenommen oder als harmlos oder als gleichgültig betrachtet werden, sondern auch um Aussagen, die schockieren, beunruhigen oder beleidigen. Das sind die Forderungen des Pluralismus, der Toleranz und Offenheit, ohne die es keine „demokratische Gesellschaft“ gibt.

** „Der geplante Tod“ und „Verschwiegene Schuld“ des Autors James Bacque  (Kopp-Verlag)    *** DVD – „Töten auf Tschechisch“ – Die verschwiegenen Massaker an den Sudetendeutschen     (Kopp-Verlag)

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