Warum kaum jemand auf die Kriegsverbrechen Frankreichs hinweist

Mit freundlicher Empfehlung – Johannes Thießbrummel (zum Original-Beitrag von Contra Magazin)

Im Nahost-Konflikt im Allgemeinen und im speziellen Fall Syrien, werden als Hauptakteure oftmals nur Syrien, Amerika, Russland, Großbritannien, die Türkei, die Kurden und die islamistischen Terrormilizen genannt. Die Rolle Frankreichs wird auf ein Minimum runter gespielt und medial debattiert man gerne über die Opferrolle Frankreichs beim Thema Terrorismus.

Von Christian Saarländer

Ein Bombenangriff hier und eine Kommandooperation dort. Immer wieder beklagt die syrische Regierung militärische Aktionen der Franzosen, wo auch Zivilisten Opfer der militärischen Interventionen Frankreichs werden. Ähnlich wie man es über die Berichterstattung über Amerikas Engagement in der Nahost-Region kennt, glänzen westliche Leitmedien durch Schweigen, wenn es darum geht, zivile Opfer anzuklagen, deren Gesamtsumme nicht so einfach festgestellt werden kann, da man 2011 beginnen müsste und nicht erst 2015, nachdem Russland auf Bitten der syrischen Regierung in den Konflikt eingetreten ist.

Über die zivilen Opfer, die das russische Militär zu verantworten haben soll, spricht man lang und breit. Westliche „Experten“, die über den Krieg in Syrien gerne in Talkrunden oder in großen Medien sprechen, haben es bereits zu einer Alltagsweisheit erklärt, dass russische und syrische Militärs mehr Zivilisten als Terroristen töten sollen. Krankenhäuser und Kinderbilder sollen diese Thesen unterstützen, damit der Zuschauer an solche Märchen und Propagandastories glaubt, wie an das Amen in der Kirche.

Über sogenannte „Kollateralschäden“, die von amerikanischer Seite verursacht werden, kann man inzwischen nicht mehr schweigen, ohne sich dabei vor den kritischen Stimmen nicht komplett lächerlich zu machen. Die Franzosen sollen hier immer nur eine Nebenrolle spielen, dabei war Frankreich mitunter treibende Kraft gewesen, als es vor drei Jahren darum ging Syrien zu bombardieren, wie man es bereits 2011 in Libyen vorgemacht hatte. Natürlich hat man den Grund erfunden und bis heute behauptet man gerne, dass die Regierungstruppen Assads Giftgas gegen ihre eigene Bevölkerung einsetzen würden.

Die Tatsache, dass die Franzosen gemeinsam mit den Briten als ehemalige Kolonialmächte seit über einem Jahrhundert lang versuchen, die Menschen im Nahen Osten zu unterdrücken und auszubeuten, wird selten hervorgehoben, dabei ist diese Tatsache ein alter Hut und wird selbst in gemäßigten Magazinen westlicher Verlagsgesellschaften umfassend beschrieben und auch das Internet ist voll von Dokumentationen, die genau das beschreiben, was wohl in der aktuellen Berichterstattung nicht oft berücksichtigt wird. Ebenso wenig spricht man über die aktuelle Rolle Frankreichs im Kampf gegen Präsident Assad, der wohl seit etwa 2006 den westlichen Regierungen ein Dorn im Auge ist. Dabei sind Bombenangriffe von Seiten Frankreich wie beispielsweise dieser im vergangenen Juli nur die Spitze des Eisbergs.

Inzwischen kam im Hinblick auf die Clinton-Connection heraus, dass der französische Baumagnat Lafarge als ziviler Akteur die IS-Milizen finanziell unterstützt haben soll, wenn man die Informationen aus den aktuellen Enthüllungen von WikiLeaks heranzieht. „Warum immer Frankreich“, fragt man sich ständig in der aktuellen Anschlags-Debatte und die Antwort ist relativ einfach, wenn auch die Anschläge gegen Unschuldige in Frankreich dadurch auch in keinster Weise gerechtfertigt werden. Die Außenpolitik Frankreichs war unter Ex-Präsident Nikolas Sarkozy wieder aggressiver und imperialistischer ausgerichtet als es noch unter Vorgänger Jaques Chirac war, der immerhin noch den Dialog mit der arabischen Welt gesucht hatte. Und auch Deutschlands Handeln im Nahen Osten ist aktuell keineswegs vorbildlich, da der BND zusammen mit der Bundeswehr die kurdische Peschmerga im Norden Iraks mit Waffen und Geld unterstützt – offiziell im Kampf gegen den Terror – und verkennt dabei, dass man hierdurch einen neuen Krisenherd riskiert, der sowohl für Unruhe und bewaffnete in Syrien, im Irak und im Iran als langfristige Folge nach sich ziehen kann.

Natürlich gibt für den Westen keinen Königsweg mehr in der Außenpolitik im Nahen Osten, aber das Verhalten der einzelnen Akteure wird medial mehr als einseitig vermittelt. Das gilt vor allem für die Schuldzuweisungen für die Ursachen von Leid, Terror und der aktuellen Flüchtlingskrise, die vor allem eine Konsequenz der westlichen Interventionen ist. Ob man nun auf den Maghreb und den Flüchtlingsstrom über das Mittelmeer schaut oder auf die Balkanroute. Viel zu lange hat sich die Politik und ihre devote Medienlandschaft davor gescheut, die Ursachen für Flucht und Elend auf der Welt anzusprechen.

Zu oft wiesen Korrespondenten vor Ort, also eingebettete Journalisten, moralisch mit dem erhobenen Zeigefinger auf die „bösen Machthaber“ hin. Teilweise aus Naivität, zum Teil aus Arroganz gepaart mit Unwissenheit und Dummheit. Heute beklagt man den Mangel an Berichterstattern vor Ort, die man irgendwann genau aus diesen Gründen des Landes verwiesen hatte. Und nicht einmal in der Heimat wird sich die Mühe gemacht, ein Gesamtbild über die Probleme in der arabischen Welt zu zeichnen. Ob es hier Faulheit, Feigheit oder schlichtweg Dummheit ist, kann jeder für sich entscheiden.

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