Ob in den Geheimdienst- und Regierungszentralen, den strategischen Planungskommissionen oder in den militärischen Kommandostellen – überall werden immer wieder abenteuerliche Strategien von der Elite ausgebrütet, um ihre Macht zu sichern. Zum Glück verschwinden die meisten in der Schublade und kommen nie zum Einsatz, Wußten Sie, daß Großbritannien in den 1920iger Jahren einen Krieg gegen die USA plante? (Damals gehörte der US-Nachbar Kanada noch zum britischen Empire.) Oder daß die USA Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg de-industrialisieren und zu einem Agrarstaat machen wollten (sog. Morgenthau-Plan)?

Und so verschwindet hoffentlich auch dieser folgende Plan in einer Schublade, wo er unter „Ulk“ verbucht wird. Er stellt ein rein hypothetisches Szenario dar.

Stellen wir uns einmal vor, ich wäre ein führender Vertreter der globalen Weltelite. Also jener reichen 1% der Weltbevölkerung, die über die restlichen 99% herrschen, wie die kapitalismuskritische „Occupy-Bewegung“ dies vor einigen Jahren einmal so schön formulierte.

Ich wurde von meinesgleichen beauftragt, die Herrschaft unserer 1%-Elite zu sichern, habe aber das Problem, daß das Wirtschafts-, Währungs- und Herrschaftssystem, von dem wir jahrzehntelang profitiert haben, seit einigen Jahren bröckelt. Den großen Crash in den Jahren 2008/2009 konnten wir gerade noch abwenden, aber die Probleme sind nicht gelöst, nur aufgeschoben. Wirtschaftswissenschaftler sagten damals ungefähr voraus, daß die Krise in zehn Jahren erneut vor der Tür stehen wird und es dann vielleicht keine Möglichkeit des „Aufschiebens“ mehr gibt. Die großen Banken und Spekulanten haben sich vor Jahren schon verzockt, eine Möglichkeit, das Finanzsystem zu reparieren besteht nicht mehr, dazu sind die Schäden zu groß. Es kann nur noch zu einem Crash kommen.

Doch die Weltelite will auch nach dem Crash die Fäden in den Händen halten. Deswegen kommt es darauf an, die Bedingungen unter denen der Crash stattfindet, so zu gestalten, daß sie für uns (die Elite) möglichst vorteilhaft sind. Also lieber eine Bruchlandung als ein Absturz!

In beiden Fällen werden die einfachen Bürger aber die Angeschmierten sein. Sie verlieren ihre Ersparnisse, ihre Immobilien oder ihre Jobs. Es ist in jedem Fall mit größeren Unruhen zu rechnen. Diese würden die Systemfrage stellen. Der Kapitalismus neoliberaler Ausprägung ist seit 2009 sowieso schon selbst in bürgerlichen Kreisen angezählt. Mit Unbehagen verfolgt man dort die Entwicklungen in der Wirtschaft, schwieg aber dazu, weil es ja noch halbwegs funktionierte. Doch das Vertrauen ins System ist schon länger verloren gegangen.

Abgesehen von ein paar isolierten Außenseitern, wie z.B. Nordkorea, dürfte der Crash des Weltfinanzsystems nahezu alle Staaten der Welt betreffen, da die Märkte alle miteinander verwoben sind. Es ist also nicht mit Unruhen in einem oder in ein paar Ländern zu rechnen, sondern in fast allen! Die Länder könnten ins Chaos, manche in den Bürgerkrieg abgleiten. Die Vertreter der Elite selbst und  ihre materielle Besitztümer könnten Racheakten zum Opfer fallen.

Also müßte ich Maßnahmen ergreifen, um diese Proteste zu unterbinden. Wenn ich aber repressive Maßnahmen anwende, habe ich die Rebellion schon eher. Wenn aber das Volk selbst dazu gebracht werden kann, auf einen Teil seiner Rechte zu verzichten und sich allen Anordnungen von oben zu fügen, wäre das ein Vorteil für uns.

Man müßte ein Szenario entwerfen, durch welches die Bürger freiwillig bereit sind, sich den Anordnungen von oben zu unterwerfen. Dies würden sie am ehesten tun, wenn sie Angst haben. Natürlich begleitet von Appellen an ihre Vernunft und Besonnenheit. Der Grund, vor dem sie sich fürchten sollten, dürfte kein vordergründig politischer oder wirtschaftlicher sein, sonst kämen sie ja wieder auf die Idee, an den Grundfesten des Systems zu rütteln. Eine sich rasant ausbreitende, hochansteckende Krankheit wäre eine gute Möglichkeit.

Diese Krankheit muß neu sein, damit es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über sie gibt. Und sie muß natürlich tödlich sein. Aber nicht absolut tödlich, das würde Panik schüren. Heilung muß möglich sein, ist möglich, wenn die Bürger sich an unsere Anordnungen halten.

Aber die Kankheit darf nicht erfunden sein, das würde schnell auffliegen! Viren mutieren immer und verändern sich. Hatten nicht Wissenschaftler im Jahre 2012 vor der Mutation des SARS-Virus (Vogelgrippe) gewarnt? Perfekt! Damit haben wir sozusagen eine wissenschaftliche Voraussage dessen, was gebraucht wird. Entweder warten wir bis der Erreger tatsächlich mutiert oder helfen dabei ein bißchen nach.

Ausprobieren sollten wir es in einem anderen Land, falls etwas schief geht. Ein unbedeutendes Entwicklungsland wäre nicht schlecht, aber die kriegen es dann vielleicht nicht mehr in den Griff. Nehmen wir eine Großmacht, die uns ohnehin lästig erscheint, die ein gefährlicher Konkurrent ist. Da trifft es keinen Falschen! Natürlich brauchen wir die Mithilfe der Medien! So eine Massenseuche muß entsprechend kommuniziert werden, damit auch noch der letzte Trottel begreift, wie ernst es ist! Da trifft es sich gut, dass wir die Journalistenzunft seit Jahren prekarisiert haben. Keine festangestellten Schreiberlinge mehr, die sich womöglich noch im Betriebsrat engagieren oder kritische Recherche betreiben, sondern nur Leute mit befristeten Arbeitsverträgen oder noch besser Voluntäre. Müssen ja eh nichts mehr recherchieren, sondern nur unsere Verlautbarungen veröffentlichen. Zwei Drittel aller journalistischen Meldungen sind schon jetzt nicht mehr selbst recherchiert, sondern nur abgetippt. Eine gute Quote, die wir noch steigern sollten! Durch die fragilen Arbeitsverhältnisse trauen sich die meisten Journalisten nicht mehr kritisch nachzufragen. Wenn die großen Leitmedien in unserem Sinne berichten, ziehen die Lokalmedien sowieso nach.

Diese hochansteckende, sich schnell ausbreitende Krankheit gibt uns die Möglichkeit, Ausgangssperren zu verhängen und Ansammlungen jeglicher Art zu verbieten. Das Ausnahmerecht, welches wir durch den medizinischen Notstand verhängen, erlaubt uns zahlreiche Betriebe zu schließen. Zuerst die kleinen Klitschen, die nicht systemrelevant sind. Aber eine Innenstadt mit 60 geschlossenen kleinen Läden in einer Stadt wirkt beeindruckender als vier geschlossene Supermärkte, die ja einigen von uns gehören. Die Leute sollen verinnerlichen, daß diese Krise das komplette öffentliche und wirtschaftliche Leben lahmlegt, damit sie wissen, warum das Wirtschafts- und Finanzsystem zusammenbrechen wird. Damit die kleinen und mittleren Unternehmer keine Rebellion anzetteln versprechen wir ihnen „großzügige“ Hilfen – die aber in Wirklichkeit nur dazu gedacht sind, damit sie ihre auflaufenden Schulden an die Energiekonzerne zahlen können und die auch noch versteuert werden müssen. Schließlich wollen wir als Elite ja nicht noch mehr Minus machen bei der Sache.

Die Polizei bekommt Sondervollmachten durch den Ausnahmezustand. Nachdem sie sich bei jeder dritten Demo die Fresse polieren lassen mußten und Kriminelle, die sie schnappen, aufgrund der Gesetzeslage wieder laufen lassen mußten, wird diese frustrierte Truppe die neuen Befugnisse jetzt weidlich nutzen, um endlich nach Gutdünken durchzugreifen.

Den Leuten werden wir einreden, daß alle, welche sich nicht an die Beschränkungen halten, ihre Mitmenschen vorsätzlich in Gefahr bringen und verantwortungslos handeln. Das schürt das „Blockwartdenken“ und führt dazu, daß Abweichler bei den Behörden von diesen Wichtigtuern angezinkt werden. Dies schürt wiederum das Mißtrauen und den Haß unter den Menschen und das ist gut. Wer sich mißtraut, der wird wohl kaum zusammen Widerstand leisten. Hohe Bußgelder besorgen den Rest. Wer erst einmal 500,- Euro gelöhnt hat, weil er zum Kindergeburtstag seines Neffen dritten Grades geschlurft ist, wird in den nächsten Wochen nicht einmal mehr seinen Kopf zum Fenster rausstrecken.

Kritiker! Was machen wir mit denen? Diese ewigen Bedenkenträger und Querulanten! Wir müssen dafür sorgen, daß ihnen niemand glaubt. Sofern sie soweit links stehen, daß man sie nicht als „Nazis“ bezeichnen kann, verwenden wir den Terminus „Verschwörungstheoretiker“ für sie, was in unserer Gesellschaft ohnehin mit „Spinner“ gleichgesetzt wird. Den Begriff „Verschwörungstheoretiker“ hat übrigens die CIA in den 60iger Jahren erfunden, um Kritiker der offiziellen Version am Kennedymord, die angezweifelt haben, daß Lee Harvey Oswald den US-Präsidenten aus drei verschiedenen Himmelsrichtungen gleichzeitig erschießen konnte, lächerlich zu machen. Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz erlaubt uns, kritische Webseiten abzuschalten oder zu maßregeln, wenn sie gegen unsere Anti-Seuchenmaßnahmen agitieren.

Gut, arbeiten wir an den Symptomen der Krankheit. Es muß etwas alltägliches sein. Nicht grüne Gesichtsfarbe im Zusammenhang mit Purzelbäume schlagen. Nein, etwas ganz alltägliches wie Husten, Fieber, Scheißerei. Dann denken alle gleich, die eines dieser Symptome aufweisen, sie wären betroffen und zeigen sich selbst an und werden unter Quarantäne gestellt. Um die Zahl derer zu erhöhen, verbreiten wir, die Symptome können auch einzeln auftreten oder die Krankheit kann sogar symptomlos verlaufen und  fügen zur Sicherheit noch ein paar weitere sporadische Symptome dazu, wie den Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn.

Die Unterhaltungselektronik muß funktionieren! Die Leute sollen in der Wohnung sitzen, vor der Glotze abhängen und sich Wiederholungen anschauen – unterbrochen von Werbeclips unserer Konzerne und den von uns gesponserten Nachrichten. Paßt.

An was muß ich noch denken? Ach ja, die Leute wollen wissen, wann diese Maßnahmen vorbei sind. Bald, sagen wir, bald. Wir nennen eine Frist und lassen kurz vorher einen Wissenschaftler aus einem der von uns finanzierten Institute noch Bedenken anmelden. Dann verlängern wir die Frist. Das halten wir bequem ein halbes Jahr durch.

Inzwischen crasht die Wirtschaft und wir können das alles auf die Maßnahmen gegen das Virus schieben. Die Systemfrage wird nicht gestellt, weil die Leute alles für eine Folge der Ausgangsperren und anderen Beschränkungen halten. Bis die Wirtschaft dann wieder richtig anläuft, dauert es auch mindestens noch ein Jahr. Bei dieser Gelegenheit haben wir uns gleich unserer mittelständischen Konkurrenten entledigt, die das nicht durchhalten konnten. Und die kleinen Pupsläden in den Städten sind auch verschwunden. Die waren zwar keine ökonomische Bedrohung, sind aber wie die Kneipen und Restaurant ein ewiger Hort des Bargeldverkehrs und verzögern unsere Maßnahmen das Bargeld abzuschaffen. Wir können im Prinzip wieder bei Null starten und behalten doch den Großteil unseres ergaunert… hart erarbeiteten Wohlstandes. Der Pöbel steht dann vor dem Nichts, aber das soll uns wenig stören. Sie müssen ihre Arbeitskraft dann billig verkaufen. Billiger als vor der Krise, denn bis die Wirtschaft wieder läuft, werden die Jobs rar sein.

Um die Wirtschaft anzukurbeln, werden unternehmerfreundliche Gesetze erlassen – das sehen auch die einfachen Bürger ein. Der ganze Sozialklimbim, den können wir uns erst einmal nicht mehr leisten. Später auch nicht, aber das sagen wir denen natürlich nicht.

Ach, wir wollen ja auch nicht unnötig viele Polizisten bezahlen, welche die Ausgangssperre überwachen. Das Beste wäre, die Bürger besorgen ihre Überwachung selbst. Am besten auf der Basis von Freiwilligkeit, dann sieht es nicht so nach Überwachungsstaat aus! Wenn sie sich eine App runterladen, die ihre Kontakte registriert und diese an uns weitermeldet, wäre das perfekt. Aber leider sind die vermutlich nicht so dämlich!

Hans-Martin Partzsch
Für alle, die jetzt Schlimmes denken – Ähnlichkeiten zur aktuellen Situation um das Corona-Virus sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.